Zukunft der Volksfeste

Kirmes-Krise? Weniger, aber attraktiv große Kirmesereignisse sollen Lösung sein

Die kleine Kirmes im Dorf zum Schützenfest - hat diese noch Zukunft? Marktforscher Professor Dr. Jürgen Schwark meint Nein. Er rät, die Volksfeste anders aufzustellen.

Volksfestveranstalter und Schausteller haben fast zwei Jahre lang unter der Coronavirus-Pandemie enorm gelitten. In vielen Karussell-Kassen herrscht schlichtweg Ebbe. Diese Tatsache hat Professor Dr. Jürgen Schwark, Marktforscher für Stadt- und Regionalmarketing an der Westfälischen Hochschule (WH) in Bocholt, veranlasst, eine wissenschaftliche Inventur der Feste anzulegen und Empfehlungen für die Zukunft zu entwickeln. Sein Fazit: Weniger ist mehr.

Gemeinsam mit den Studierenden Sultan Dagdelen, Kaya Kristina Fok, Robin Kodera, Lea Niehaus, Sarah el-Outa und Sabrina Preisendanz befragte er telefonisch die Ordnungsämter sowie Marktmeister aller Kommunen im Kreis Borken zu ihren Volksfesten. Erfragt wurde Organisatorisches, aber auch Finanzielles, was Schwark zu Einnahmemöglichkeiten für die Anbieter/Beschicker verdichtete.

Oktoberfest – von den Einnahmen kann man nur träumen

Schwark Ergebnisse: „Im unteren Einnahmebereich können lediglich bis zu 1000 Euro am Tag in die Kasse der Beschicker kommen. Das gilt etwa für kleinere Feste wie Schützenfeste, die am Rande auch eine kleine Familienkirmes mit Kinderfahrgeschäften bieten.“ Von dem, was Anbieter und Schausteller auf dem Oktoberfest in München mit bis zu 15.000 Euro am Tag einnähmen, können die Anbieter im Kreis Borken wohl nur träumen, meint er.

Spitzenreiter der Region ist die Bocholter Kirmes mit immerhin 10.000 Euro am Tag pro Beschicker bei einer Gesamtbesucherzahl von geschätzten rund einer halben Million Gästen.

Das Münchener Oktoberfest sieht Schwark nicht als erstrebenswertes Vorbild und spricht gar von der „Bajuwarisierung des Nordens“ in Deutschland: „Wenn das zu sehr um sich greift, entspricht es zwar vielleicht dem Wunsch vieler Besucher, das bayerische Bierzelt in den Heimatkreis zu holen, aber es bedeutet auch eine starke Konkurrenz für regional geprägte Anlässe wie Bauernmärkte oder Schützenfeste.

Charme des Münsterlandes nicht verdrängen

Hier sollte man eine gesunde Mischung finden, damit der lokale und regionale Charme des Münsterlandes nicht verdrängt wird.“

Für die Zukunft erwartet Schwark eher eine Konzentration auf weniger, aber attraktiv große Kirmesereignisse. Seit der Jahrtausendwende hätte sich in Deutschland bereits rund jedes fünfte Kirmes- und Volksfestangebot dauerhaft verabschiedet.

Schwierige Zukunft für kleine Formate

Wie stark sich Corona auswirke, bleibe abzuwarten, meint Schwark: „Das hängt stark von den Einkommensmöglichkeiten für Schausteller ab.“ Sie seien vermutlich bald nicht mehr für so manches Ereignis zu begeistern, „weil es sich ökonomisch nicht rechnet“. Für Schwark steht fest: „Die kleinen Formate sehen einer schwierigen Zukunft entgegen.“

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