Bei einer Massenkarambolage am Freitagabend auf der B 67 in Bocholt ist ein Mensch ums Leben gekommen. © Sven Betz
Verkehr Kreis Borken

Viele schwere und tödliche Unfälle: Wie sicher ist die B 67?

Nach der Massenkarambolage mit einem Todesopfer am Freitagabend in Bocholt hat eine Diskussion über die Sicherheit auf der B 67 begonnen. Auf der Bundesstraße hatte es in Bocholt und Rhede zuletzt mehrfach schwere Unfälle gegeben.

Nach der Massenkarambolage mit einem Todesopfer am Freitagabend in Bocholt hat vor allem in den sogenannten sozialen Medien eine Diskussion über die Sicherheit auf der B 67 begonnen. Dabei wird unter anderem darauf verwiesen, dass es auf der Bundesstraße durch den Südkreis vor allem im Bereich Bocholt und Rhede zuletzt mehrfach schwere Unfälle gegeben habe.

So war Mitte Juni nur etwa 400 Meter von der jetzigen Unfallstelle entfernt auf Rheder Stadtgebiet eine 46 Jahre alte Frau aus Stade (Niedersachsen) ums Leben gekommen, als ihr Auto frontal mit dem Wagen einer Fahrerin aus Mülheim/Ruhr zusammenstieß. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Und zuletzt war vor elf Tagen auf der B 67 in Bocholt an der Anschlussstelle Dingdener Straße ein 58-jähriger Autofahrer in den Gegenverkehr geraten. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt.

Drei Tote bei einem Unfall im Jahr 2019

2019 hatte es bei einem schweren Unfall mit einem Schweinetransporter auf dem Abschnitt drei Tote gegeben. Zwischen den Abfahrten Biemenhorst und Fachhochschule war der Transporter in den Gegenverkehr geraten und frontal gegen einen Pkw geprallt. Die drei Insassen (23, 25 und 34 Jahre alt) kamen ums Leben.

Nach dem Unfall vom Freitagabend klagten einige Facebook-User etwa darüber, dass Autofahrer in dem Abschnitt oft zu schnell fahren würden. Andere forderten eine Mittelleitplanke auf der B 67, um zu verhindern, dass Autos in den Gegenverkehr geraten.

Als Unfallhäufungsstrecke wird die Straße nach Angaben der Kreispolizei bislang nicht geführt, wie Polizeisprecher Frank Rentmeister auf Anfrage erklärte. In so eine Kategorie wird ein Straßenabschnitt oder eine Stelle eingestuft, wenn es eine bestimmte Zahl von Unfällen gibt, die sich in Art oder Ursache gleichen. Dabei spielt auch die Zahl der Fahrzeuge, die die Straße nutzen, eine Rolle. Auch bei sehr schweren Einzelunfällen nehmen Fachleute die Unfallstelle und die Umstände des Unfalls noch einmal besonders unter die Lupe.

Fällt der Polizei ein Streckenabschnitt als Unfallhäufungsstrecke auf, kümmert sich eine Unfallkommission um die Angelegenheit. Bei der hat der Kreis Borken das Sagen. Die schaut den Ort des Geschehens an und macht gegebenenfalls Vorschläge, etwa wenn dem Problem durch bauliche Maßnahmen begegnet werden kann.

Freitag: Ein Toter, ein Schwerverletzter und drei Leichtverletzte

Wie Rentmeister sagt, gebe es für den Unfall am Freitag, bei dem es neben einem Toten (aus Lünen im Kreis Unna) auch noch einen Schwerverletzten und drei leicht verletzte Personen gab, noch keine Erkenntnisse zur Ursache der Massenkarambolage. Der Polizeisprecher betont aber mit Blick auf die Diskussion in den sozialen Medien, dass die Kreispolizei ihre „Blitzen“ an der Strecke oft im Einsatz hat. „Wir messen dort viel“, so Rentmeister.

Bei der Massenkarambolage am Freitagabend wurden zudem ein 51-jähriger Autofahrer aus Wesel schwer, drei weitere Beteiligte leicht verletzt, hieß es. Die Zahl der Verletzten war zunächst nicht klar gewesen, weil einige Unfallopfer offenbar unter Schock standen und vor Ort zu den Verletzten gezählt worden waren. Leicht verletzt wurden laut Polizei eine 20-jährige Autofahrerin aus Bedburg-Hau, ein 55-jähriger Mann aus Bocholt sowie eine 60-jährige Frau aus Hörstel bei Rheine.

So soll der Unfall abgelaufen sein

Der 51-jährige schwer verletzte Fahrer aus Wesel gilt nach Ermittlungsstand von Samstagnachmittag als Unfallverursacher, hieß es. Er war offenbar aus Richtung Bocholt in Richtung Rhede unterwegs und löste den schweren Zusammenstoß mit sechs beteiligten Autos aus. Der Wagen des Weselers kollidierte zunächst mit dem Auto des 60-Jährigen aus dem Kreis Unna, der nach dem Unfall verstarb. Nachfolgende Autos seien danach mit den ersten beiden beteiligten Fahrzeugen kollidiert.

Die Unfalllage stellte sich Rettungskräften und Polizisten zunächst chaotisch dar. Das Unfallfeld war über rund 150 Meter über die Bundesstraße verstreut, zahlreiche Trümmer lagen auf der Fahrbahn – darunter ganze Motorblöcke oder abgerissene Radaufhängungen. Aufgrund der Lage war es für die Polizei zunächst schwierig, die exakte Zahl der beteiligten Fahrzeuge zu nennen.

Unfallursache ist weiter unklar

Die genaue Unfallursache ist weiter unklar. Experten des Verkehrskommissariats Ahaus hätten die Unfallaufnahme unterstützt, teilte die Polizei am Samstag mit. Aus Münster wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft ein Sachverständiger hinzugezogen, alle beteiligten Fahrzeuge wurden sichergestellt. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an, heißt es.

Insgesamt waren 90 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst mit 20 Einsatzfahrzeugen im Einsatz. Laut Polizei wird der Sachschaden auf rund 250.000 Euro geschätzt. Die Bundesstraße 67 musste bis morgens um 4.40 Uhr voll gesperrt werden.