Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Ernsten leitete die Vertreterversammlung der Volksbank Bocholt im Drosselsaal des Textilwerks. © Sven Betz
Volksbank-Fusion

Volksbank-Fusion geplatzt – Drei-Viertel-Mehrheit hauchdünn verpasst

Das ist eine faustdicke Überraschung: Die Volksbank Bocholt wird nicht mit der VR-Bank Westmünsterland (Geschäftsgebiet auch in Stadtlohn und Südlohn) zur „Volksbank im Westmünsterland“ fusionieren.

Als Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Ernsten auf der Vertreterversammlung am Mittwochabend in Bocholt die erforderliche kurz vor 20.30 Uhr das Ergebnis der Abstimmung verkündete, herrschte anschließend Totenstille im Drosselsaal. Die erwarteten Beifallsbekundungen für die im Vorfeld von vielen erwartete Verschmelzung blieben aus, denn von den 152 gültigen Stimmen fielen „nur“ 110 mit „Ja“ aus. 42 Vertreter hatten mit „Nein“ gestimmt.

Statt der erforderlichen 75 Prozent erreichten die Fusions-Befürworter so nur 72,37 Prozent. Die Enttäuschung war nach diesem Ergebnis dem Vorstand und dem Aufsichtsrat, aber auch vielen Vertretern und Gästen, unter ihnen zahlreiche Mitarbeiter der VR-Bank Westmünsterland, deutlich anzumerken. Deren Vertreterversammlung findet heute Abend ab 18 Uhr im Borkener Vennehof statt. Über eine Verschmelzung mit der VB Bocholt müssen sie jetzt nicht mehr abstimmen.

Namenslisten für Aufsichtsrat waren bereits vorbereitet

Die Vertreter hätten als Genossenschaft auf demokratische Weise entschieden, dass die Volksbank Bocholt als separates Institut weitergeführt werden soll, sagte Ernsten direkt nach der Verkündung des Ergebnisses. Die Tagesordnungspunkte sieben bis neun konnte er streichen, denn dabei wäre es um die Nominierung von Mitgliedern aus dem Bereich der Volksbank für den künftigen Aufsichtsrat, den künftigen Beirat und den Wahlausschuss gegangen. Die Namenslisten waren bereits vorbereitet.

Dass der Abend nach über drei Stunden Sitzung mit einer Überraschung enden könnte, hatte sich kurz vor der Wahl angedeutet. Für den Antrag eines Vertreters auf eine geheime Abstimmung über den Entwurf des Verschmelzungsvertrages vom 28. Juni, für den sich sowohl die Vorstände als auch die Aufsichtsräte der beiden Banken ausgesprochen hatten, stimmten 51 Vertreter – deutlich mehr als die in diesem Fall notwendigen 25 Prozent.

„Dass sich so viele für eine geheime Wahl aussprechen, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Vorstand Herbert Kleinmann in der Auszählpause im Gespräch mit der Redaktion des Bocholt Borkener Volksblatts. Auf den zuvor stattgefundenen vier Informationsveranstaltungen für die Vertreter sei die Zustimmung zur Verschmelzung immer sehr groß gewesen.

Auch ohne Verschmelzung zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Auch ohne Verschmelzung würden beide Banken aber zuversichtlich in die Zukunft blicken, erklärte Vorstand Herbert Kleinmann nach der ersten Enttäuschung. „Beide Banken sind wirtschaftlich kerngesund und liegen in einer florierenden Region.“ Wie bereits in der Vergangenheit würden beide Banken auch zukünftig gute Nachbarn sein, „die gerne zum Wohl ihrer Kunden und der Region zusammenarbeiten“.