Magdalene Groß-Hardt und Michael Heinrich werden ihre vielen Stammkunden vermissen. Sie schließen nicht freiwillig. © Sven Betz
Fachkräftemangel

Zu wenig Personal: Rheder Traditions-Metzgerei muss schließen

Weil sie partout keine Fachkräfte für ihre Verkaufstheke mehr finden, müssen die Inhaber das Ladenlokal der Rheder Fleischerei Wilting schweren Herzens schließen. Die Kunden haben das Nachsehen.

Obwohl sie so viele Kunden haben wie nie, müssen Fleischermeister Michael Heinrich und seine Frau Magdalene Groß-Hardt das Ladenlokal ihrer Fleischerei Wilting am Samstag, 13. November, für immer schließen – nur aus Mangel an Fachpersonal. Der Schritt sei ihnen „unendlich schwergefallen“, sagen die beiden, aber sie wussten sich keinen anderen Rat mehr.

Bereits seit Anfang des Jahres fehlte ihnen an der Verkaufstheke eine Vollzeitkraft wegen Krankheit, jetzt meldete sich eine weitere Kollegin langfristig krank. Ersatz ist nicht zu bekommen. „Wir haben schon alles versucht“, so Heinrich. Nun will er sich notgedrungen nur noch auf seinen Partyservice und die Schulverpflegung konzentrieren.

Das Geschäft brummt

Seit 20 Jahren hatten die Eheleute das Fleischereifachgeschäft. In den letzten Monaten lief es besser als je zuvor. „Wegen Corona konnten die Leute nicht essen gehen und haben sich stattdessen öfter mal ein schönes Stück Fleisch gegönnt“, sagt Magdalene Groß-Hardt. Die Geschehnisse bei Tönnies hätten zudem vielen vor Augen geführt, „was anderswo für Fleisch angeboten wird“. Außerdem hatte Ende 2019 die Metzgerei Hungerkamp zugemacht. „Von dort haben wir viele Kunden dazubekommen“, so der Fleischermeister.

Zuerst hatten die Inhaber noch versucht, sich über den Personalengpass mit reduzierten Öffnungszeiten hinwegzuretten. Montags bis mittwochs blieb der Laden in den vergangenen Wochen geschlossen. „Aber dann sind die Kunden alle vormittags gekommen“ – mit der Folge, dass morgens zwei Verkäuferinnen im Laden gebraucht wurden.

Heinrich und Groß-Hardt selber haben schon lange praktisch kein Privatleben mehr. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche durch“, sagt die 54-jährige Inhaberin. Mit 80 Wochenstunden kämen sie beide nicht aus, ihr 62-jähriger Mann stehe noch bis spät abends in der Wurstküche. Denn die Fleischerei Wilting macht alles selber. „Wir können jetzt nicht plötzlich anfangen, zuzukaufen“, sagt der Fleischermeister. „Das sind wir nicht!“

Fleischereifachverkäufer zu finden, sei praktisch unmöglich, sagen die beiden. Auf Stellenanzeigen melden sich schon ohnehin nur ältere Bewerberinnen, junge Leute wollen den Beruf gar nicht erst ergreifen. Das Alter sei aber überhaupt kein Problem, versichert Heinrich. Auch das Gehalt nicht. Das sei „nach oben offen“. Er habe sogar schon 1000 Euro Prämie ausgelobt, wenn jemand mindestens ein Jahr bleibe, sagt Heinrich.

Es sei aber schon mehrmals vorgekommen, dass er sich mit Bewerberinnen einig gewesen wäre, die dann nur noch bei ihrem alten Arbeitgeber – meistens Supermärkte – kündigen mussten. „Am nächsten Tag riefen die an, dass sie doch nicht kommen, weil der Chef ihnen ein super Angebot gemacht hat, als sie kündigen wollten.“ Es habe ein Überbietungswettbewerb bei den Arbeitgebern begonnen.

Weihnachtsgeschäft ist nicht zu schaffen

Ohne ausreichendes Personal will das Ehepaar auch das Weihnachtsgeschäft nicht mehr machen. „Wir haben Angst davor“, sagt Heinrich. Dabei hat es ihnen sonst immer besonders viel Spaß gemacht. So sei es aber nicht zu schaffen. „Wir wollen erhobenen Hauptes gehen“, sagt seine Frau. Doch die Entscheidung tut weh. „Wir werden viele Kunden vermissen“, ist die 54-Jährige sicher.

Allerdings legen Heinrich und Groß-Hardt jetzt nicht die Hände in den Schoß. Mit all ihren 24 Mitarbeitern machen sie den Partyservice und die Schulverpflegung weiter. In diesen beiden Bereichen wollen sie dann wieder ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden, das sei mit den drei Standbeinen zuletzt nicht mehr möglich gewesen. „Wir haben Ideen ohne Ende““, sagt Heinrich. Er wolle jetzt nicht nur den Kopf hängenlassen, sondern weiterdenken. Vielleicht finde sich jemand, der den Laden übernehme. „Wir sind für alles offen.“

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