Oskar Roehler: „Selbstverfickung“

Buchkritik

Oskar Roehler gehört zu den renommiertesten deutschen Filmregisseuren („Agnes und seine Brüder“, „Elementarteilchen“, „Jud Süß – Film ohne Gewissen“). Dass er auch schreiben kann, beweist er jetzt in seinem dritten Buch „Selbstverfickung“.

von Von Andreas Schröter

, 24.10.2017, 10:02 Uhr / Lesedauer: 1 min

Regisseur Oskar Roehler geißelt in seinem Buch „Selbstverfickung“ die Film- und Medien-Szene. Er beschreibt das Leben Gregor Samsas, eines Filmregisseurs, der viel mit dem Autor gemeinsam hat. Es dürfte somit nicht allzu weit hergeholt sein, diese Romanfigur als Alter Ego Roehlers zu betrachten.

Samsa hat eine extrem negative, menschenscheue, oft hasserfüllte und depressive Sicht auf Umwelt und Mitmenschen. Er hat permanent mit allerlei Phobien sowie Schlaflosigkeit zu kämpfen. Beides bekämpft er mit Tabletten und Alkohol.

Derbe Sprache


Halt geben ihm lediglich seine Tochter und die häufigen Besuche im Bordell. Wer das Buch liest, darf nicht zart besaitet sein. Es geht derbe zur Sache – besonders in den Szenen, in denen er detailliert Samsas Bordellbesuche beschreibt. Das Ausmaß an negativem Gedankengut, das hier über dem Leser ausgekippt wird, kann gelegentlich zu viel werden.

Aber dann gibt es auch die richtig starken Momente, in denen Roehler sich über die Medien- und Kunstszene verbreitet – mit ihren Filmproduzenten, die keinerlei Ahnung von der Materie haben, sondern nur darauf achten, wieviel Geld ein Film abwirft.

Gnadenlose Selbstbezogenheit

Der Autor geißelt die gnadenlose Selbstbezogenheit und die aufgeblasenen Typen dieser Branche, die mit allerlei englisch-sprachigen Mode-Schöpfungen um sich werfen. Das alles hat enormes Unterhaltungspotenzial.

Doch wer eine schöne Geschichte mit Einleitung, Hauptteil, Schluss und Happy End sucht, sollte die Finger von dem Buch lassen. Allen anderen sei es hiermit wärmstens empfohlen.

Oskar Roehler: Selbstverfickung, 272 S., Ullstein, 20 Euro, ISBN 978-3-5500-5013-8.
Schlagworte: