Sonya Yoncheva tritt in die Fußstapfen von Maria Callas

Verdi-Gala im Konzerthaus Dortmund

Sonya Yoncheva ist der Star der Sängergeneration nach Anna Netrebko. Im Konzerthaus Dortmund singt sie eine Verdi-Gala. Und ist ein bisschen Diva.

Dortmund

, 29.01.2018, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
 Sonya Yoncheva tritt in die Fußstapfen von Maria Callas

Sonya Yoncheva singt im Konzerthaus Dortmund in einer Verdi-Gala.Foto: Hohenberg

Maria Callas wird nachgesagt, dass sie nicht so gerne Interviews gegeben hat. Jedenfalls nicht jedem. Ihre Stimme wurde geliebt, ihre Launen waren gefürchtet. Sie war eine Diva, aber wie wird man das?

Die 36-jährige Bulgarin Sonya Yoncheva ist auf dem besten Weg eine Diva und ein Weltstar zu werden. An der Metropolitan Oper in New York und der Mailänder Scala wird sie gefeiert. Nur in Deutschland ist sie noch ein Geheimtipp und füllt einen großen Saal wie das Konzerthaus Dortmund nicht von selbst. Kenner haben schon eine Karte für die Verdi-Gala der Bulgarin am 7. Februar in Dortmund. Die anderen werden es bereuen, nicht da gewesen zu sein.

Sängerin mit einer Luxusstimme

Wer ist die Sopranistin mit der Luxusstimme, deren Karriere sie katapultartig an die Spitze der jungen Sängergeneration nach Anna Netrebko, Elina Garanca, Angela Gheorghiu und Cecilia Bartoli geschossen hat? Wir wollten mit der Sängerin aus Plowdiw sprechen. Ein Interview am Telefon war möglich. Die Künstlerin wünschte, um Punkt 12 Uhr New Yorker Zeit angerufen zu werden, teilte die Agentur mit. In Ordnung.


Also 18 Uhr deutscher Zeit, eine Viertelstunde früher sei auf gar keinen Fall möglich. Die Handynummer aus der Schweiz, wo Sonya Yoncheva mit ihrem Ehemann, einem Dirigenten, und ihrem Kind lebt, gab die Agentur am Abend vorher bekannt. Nur an diesem Handy lief um 18 Uhr und auch um 18.05 und 18.10 Uhr die Mailbox. „Frau Yoncheva muss leider das Interview absagen, wir haben soeben die Nachricht erhalten, dass bei ihr ein plötzliches Unwohlsein aufgetreten ist“, teilte die Agentur um 18.12 Uhr mit. Schade.

Charisma und Glamour

Wir hätten gerne mit der Sopranistin über ihre neue, ganz großartige Verdi-CD, die am 2. Februar erscheint und von der sie viele Arien in Dortmund singen wird, gesprochen. Oder über ihren Bruder Marin Yonchev, der im Konzerthaus Dortmund ihr Duopartner ist. Er hat als 17-Jähriger in Bulgarien eine Castingshow gewonnen und wurde über Nacht berühmt. Inzwischen hat sich der 30-Jährige als klassischer Tenor ausbilden lassen.

Eine Diva zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine charismatische, glamouröse Erscheinung ist. Das ist Sonya Yoncheva. Und eine solche Primadonna ist sich ihrer Einzigartigkeit bewusst und vermittelt Unnahbarkeit. Bei einem jungen Opernstar besteht dann jedoch die Gefahr, schnell wieder zu verglühen.

Mezzo mit hohen Noten

Um ein Weltstar zu sein, reicht es nicht, in New York und Mailand Häuser zu füllen. Ein Weltstar muss auch dafür sorgen, dass die Häuser abseits der Metropolen ausverkauft sind, wenn er dort auftritt. Anna Netrebko hat das 2005 in Dortmund geschickt gemacht. Sie hat bei einem Sponsorenempfang nach dem Konzert kurz mit einem Glas Champagner angestoßen und dann sehr nett mit den Fans im Foyer beim Signieren ihrer CD gescherzt.


Sonya Yoncheva wird schon mit Maria Callas verglichen. Die erdig-dunkle, volle und runde Stimme der Bulgarin kann süchtig machen. Als „Mezzo mit hohen Noten“ beschreibt sie selbst ihre Stimme. Vom Mezzosopran hat sie die profunde Tiefe, die so hervorragend zu den Verdi-Arien passt. Und in den hohen Lagen leuchtet ihr Sopran in vielen Farben. Viel Barockmusik hat die Bulgarin zu Beginn ihrer Karriere gesungen. Eine gute Grundlage für den Belcanto-Gesang, mit dem sie jetzt Triumphe feiert.

Das Dortmunder Publikum darf sich auf ein Gesangsfest freuen. Hoffentlich mit einer nicht ganz unnahbaren Diva.

Verdi-Gala mit Sonya Yoncheva, Marin Yonchev und der Nordwestdeutschen Philharmonie von Francesco Ciampa am 7.2., 20 Uhr, im Konzerthaus Dortmund. Karten: Tel. (0231) 22696200. CD „The Verdi Album“ von Sonya Yoncheva mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Massimo Zanetti, Sony, rund 17 Euro.