19 Wittener Ärzte stehen unter Verdacht

Geschenke von Ratiopharm?

WITTEN Die Staatsanwaltschaft Bochum prüft derzeit Verdachtsmomente gegen 19 Wittener Mediziner und Praxen. Sie sollen vom Pharma-Unternehmen Ratiopharm Geschenke und Geld angenommen haben. Als Anreiz, den Patienten mehr Medikamente des Herstellers zu verschreiben.

von Von Andreas Tietz

, 16.07.2009, 07:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gegen 19 Wittener Mediziner und Praxen prüft die Staatsanwaltschaft Bochum derzeit Verdachtsmomente.

Gegen 19 Wittener Mediziner und Praxen prüft die Staatsanwaltschaft Bochum derzeit Verdachtsmomente.

„Die Fälle werden von uns zunächst rechtlich geprüft“, schildert der Staatsanwalt den Stand der Dinge und macht keinen Hehl aus seiner Skepsis, ob die derzeitige Gesetzeslage ausreicht, um strafrechtlich gegeg die Betroffenen vorzugehen: „Es dürfte schwer sein, einen tatsächlichen Schaden nachzuweisen, der Grundlage für ein Betrugsverfahren wäre. Und ein Vorwurf wegen Bestechlichkeit im strafrechtlichen Sinne ist zumindest fraglich, da sie nicht wie Angestellte und Beamte einem Dienstherren oder Arbeitgeber verpflichtet sind.“ Gleichwohl findet Bienioßek das Verhalten der betroffenen Ärzte „mehr als bedenklich“ und fordert ein gesetzliches Verbot der Vorteilsnahme bei Ärzten.

Denen droht jedoch noch von anderer Seite Ungemach. Denn es könnte ein Verstoß gegen die Berufsordnung der Ärtzekammer Westfalen-Lippe vorliegen, der sich jeder in der Region tätige Arzt unterwerfen muss. Man werde die Angelegenheit sehr genau beobachten und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten, sagte Volker Heiliger, Pressesprecher der Ärztekammer. „Jeder Einzelfall wird dann vom Kammervorstand begutachtet und gegebenenfalls ein berufsgerichtliches Verfahren eingeleitet“, schildert Heiliger das Prozedere. „Dabei können Geldstrafen bis zu 50 000 Euro verhängt werden.“

Aufatmen können alle Ärzte, die nur geringfügige Zuwendungen im Wert von unter 50 Euro angenommen haben. Geschenke bis zu dieser Größe lässt die Berufsordnung der Ärztekammer zu.