26-Jähriger stirbt in Essen an Corona – keine Obduktion

rnCoronavirus

Bei dem 26-Jährigen, der im Uniklinikum Essen an Corona starb, stellten Ärzte keine relevanten Vorerkrankungen fest. Die Familie lehnt eine Obduktion ab.

von Sinan Sat, Jörg Maibaum, Martin Splette

Essen

, 28.04.2020, 11:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 26-Jährige, der am Sonntagmorgen im Uniklinikum Essen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben ist, ist offenbar das zweite Covid19-Opfer in seiner Familie. Schon vor wenigen Wochen soll sein Großvater (80) im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sein. Das berichten türkischsprachige Medien am Montagmorgen.

Bereits am Sonntag erklärte die Stadt Essen, dass keine nennenswerten Vorerkrankungen des jungen Mannes bekannt seien. Auch während seines dreiwöchigen Intensivaufenthalts in der Uniklinik, seien trotz einer Vielzahl von Untersuchungen zu Organfunktionen und Erkrankungen keine relevanten Vorerkrankungen festgestellt worden, wie die Klinik auf Nachfrage bestätigt.

Leichnam soll Mittwoch in die Türkei überführt werden

Eine Obduktion des Leichnams hat die Familie des 26-Jährigen abgelehnt. „Grundsätzlich entscheiden die Angehörigen über eine Obduktion. Diese Entscheidung wird natürlich respektiert. Einen 26-Jährigen in einer Familie zu verlieren, ist ein besonders tragisches Ereignis, das durch zusätzliche Belastungen nicht weiter erschwert werden sollte“, erklärt die Uniklinik.

Der 26-jährige Altenpflegeschüler, dessen Familie in Kray wohnt, hat türkische Wurzeln. Sein Leichnam soll dem Vernehmen nach am Mittwoch in das Heimatland der Familie überführt werden. Das Seniorenzentrum in Steele, in dem er gearbeitet hat, betont, dass sich der Mann weder an seiner Arbeitsstelle angesteckt, noch Bewohner infiziert habe. „Wir stehen alle unter Schock“, heißt es in Steele.

Durchschnittsalter der Corona-Opfer in Essen liegt bei 85 Jahren

Der junge Mann gehört zu den bislang jüngsten Corona-Opfern in Deutschland. In Essen lag das Durchschnittsalter, der mit dem Coronavirus verstorbenen Menschen zuletzt bei 85 Jahren.

Der schockierende Fall befeuert die Debatte, ob die Leichen von Corona-Opfern grundsätzlich obduziert werden sollten oder nicht. Fürsprecher erhoffen sich davon mehr Erkenntnisse über mögliche Vorerkrankungen, die bislang unentdeckt blieben.

In Hamburg etwa werden alle Corona-Toten der Stadt obduziert. Nach Angaben des Rechtsmediziners Klaus Püschel sollen alle 133 Coronavirus-Toten in der Hansestadt unter Vorerkrankungen gelitten haben. Das sagte Püschel dem Hamburger Abendblatt.

Gegner dieser Vorgehensweise betonen, dass der Aufwand einer grundsätzlichen Obduktion nicht ohne Risiko sei, was die Ansteckungsgefahr für die behandelnden Mediziner angehe.

Corona: Sorge, dass sich Menschen unvorsichtiger verhalten

Darüber hinaus geht bei vielen Experten damit auch die Sorge einher, dass sich insbesondere nicht zur Risikogruppe gehörende Personengruppen unvorsichtiger verhalten, wenn sie glauben, dass das Virus für sie als nicht Vorerkrankte auch nicht lebensbedrohlich sei.

Sichtlich geschockt vom Tod des jungen Corona-Patienten zeigte sich auch Essens Gesundheitsdezernent Peter Renzel, der am Sonntagabend in sein Facebook-Profil schrieb: „Drei Wochen haben wir gehofft und gebangt. Jeden Tag habe ich mich nach dem jungen Patienten erkundigt. Die Ärzte auf der Intensivstation haben alles in ihrer Macht stehende getan. Unsere Anteilnahme gilt der Familie und den Angehörigen.“

Der Artikel erschien zuerst auf WAZ.de

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt