35-Jähriger machte 20 Tonnen schwere Beute

Schöffengericht

Finanzielle Schwierigkeiten waren es wohl, die im März 2011 einen Geschäftsmann aus Kiel auf die Idee zu einem Betrug brachten. Er kaufte bei einem Wittener Spezialunternehmen gebrauchte Elektromotoren für 30.000 Euro, zahlte aber nie. Der 35-Jährige musste sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht verantworten.

WITTEN

von Von Andreas Tietz

, 18.04.2012, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Und so lief die Sache ab: Der Angeklagte, der sich gut im Metall- und Maschinenhandel auskennt, fragte bei einem Wittener Spezialunternehmen gebrauchte Elektromotoren zum Export zwecks Aufarbeitung und Weiterverwendung an. Dort war man über die Anfrage erfreut: einerseits hatte die Firma gerade viele Aggregate auf Lager, andererseits lässt sich mit dieser Art Geschäften mehr verdienen als mit der bloßen Verwertung des Materials. Man einigte sich auf einen Kaufpreis für die rund 20 Tonnen von 30.000 Euro, die bei Übergabe bar bezahlt werden sollten. Der Angeklagte erschien daraufhin mit einem Lkw bei der Wittener Firma, die Motoren wurden verladen, Rechnungen ausgestellt.

Erstmals stutzig wurde der Verkäufer, als der LKW plötzlich vom Hof fuhr, ohne das bezahlt worden war. Der Angeklagte vertröstete ihn mit dem Hinweis, sein Bruder sei mit dem Geld aus Norddeutschland nach Witten unterwegs und sei im Stau stecken geblieben. Tatsächlich kam der Bruder nie an, der Angeklagte machte sich mit den Rechnungen, auf denen bereits ein „bezahlt“-Vermerk aufgebraucht war, aus dem Staub. Eigene Ermittlungen des Verkäufers ergaben, dass die Ladung bei einer Metalverwertung in Osnabrück abgeladen worden war, die dem Angeklagten knapp 16.000 Euro dafür bezahlt hatte.

Das Schöffengericht verurteilte den 35-Jährigen Kieler schließlich zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen gewerbsmäßigem Betruges. Eine Bewährungschance stand für das Gericht dabei nicht nur angesichts der Vorstrafen nicht zur Debatte – der Angeklagte hatte die Tat auch noch innerhalb einer laufenden Bewährungsfrist begangen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.