3D-Fotos aus den Schützengräben

Gustav-Lübcke-Museum

Im Schützengraben. Drill mit Handgranate und Gasmaske. Tote Ratten an der Schnur. Kameraden auf dem Donnerbalken. Soldaten und Granaten. In 3D und stereoskopisch fotografiert, kann man den Ersten Weltkrieg jetzt im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm sehen.

HAMM

, 06.01.2016, 17:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
3D-Fotos aus den Schützengräben

Das Bild ?Front? von Otto Mötje

"Front 14/18" heißt die Ausstellung im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm, die Soldatenleben und Alltag an der Front plastisch werden lässt. Durch die Spezialbrille betrachtet vermitteln die Kriegsmotive eine sinnliche Qualität, die normalen Schnappschüssen abgeht.

Man taucht ein in die Bilder, die räumliche Illusion ist verblüffend: Als stünde man selbst im Graben, vor einem die Landser. Links ein leerer Vogelkäfig, in dem sonst ein Piepmatz hockt, der vor Gas warnt. Das ist beinahe schon "Fühl-Kino". Man mustert die Gesichter, auf einmal sind 100 Jahre zeitliche Distanz wie weggewischt.

Eben das ist die Qualität, die ein "Erinnerungsprojekt" braucht, das Vergangenem den Schleier von "lange her" wegreißen will. "Die Bilder sind ein musealer und historischer Glücksfall", sagt Stephan Sagurna vom LWL-Medienzentrum in Münster, der die alten Glasplatten restauriert und abgezogen hat.

Otto Mötje und Karl Bußhoff haben die Bilder gemacht, mit damals handelsüblichen Kameras, die im Abstand der Augen zwei Objektive hatten. In der Schau ist eine Voigtländer-Kamera zu sehen, auch der Bildbetrachter, ein kleiner Guckkasten zum Anschauen der 3D-Motive. Ein Bonbon für technisch Interessierte.

Die zwei Soldaten haben für sich fotografiert, öffentlich waren die Bilder nie zu sehen. Bis der Heimatverein Bevergern den Zufallsfund der Mötje-Fotos ans LWL-Medienzentrum schickte, wo man per Zeitungsnotiz auch auf Bußhoffs Fotos stieß. 620 Bilder umfasst die Kollektion, 40 davon zeigt das Museum. Die Ausstellung ist ein Stück Zeitgeschichte, lebendig und sehenswert.Kai-Uwe Brinkmann

Gustav-Lübcke-Museum, Hamm: "Front 14/18", bis 31.1., Neue Bahnhofsstraße 9, Di-Sa 10-17 Uhr, So 10-18 Uhr, Katalog: 24,80 Euro. Ab 7.2. ist die Ausstellung im Stadtmuseum Münster zu sehen.