"45 Years" ist leises Schauspieler-Kino

Filmkritik

Ab und an braucht es einen Film, der zeigt, dass es jenseits des Sensations-Lärms von Hollywood noch ein anderes, kostbareres Kino gibt. Mit Filmen, die im Leben zuhause sind, die von Menschen handeln, die keine Titanen und Action-Kings sind. Andrew Haighs "45 Years" ist solch ein Kleinod abseits der Tempohechelei.

DORTMUND

, 11.09.2015, 11:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
"45 Years" ist leises Schauspieler-Kino

Charlotte Rampling als Kate.

Der Film ist subtil und sensibel, die Psycho-Studie eines Ehepaares, das in England auf dem Land lebt. Der Alltag läuft in geordneten, gemütlichen Bahnen, 45 Jahre sind Geoff (Tom Courtenay) und Kate (Charlotte Rampling) verheiratet. Bis ein Brief aus der Schweiz für eine schwere Erschütterung sorgt.

Die Leiche der Geliebten

Geoff erhält die Mitteilung, dass die Leiche seiner Geliebten 50 Jahre nach einem Sturz am Berg gefunden wurde, konserviert im Gletschereis. Auch wenn Geoff seiner Frau versichert, es gehe ihm gut: Nichts ist gut. Geoff wirkt aufgewühlt, erzählt von damals, kramt in alten Fotos.

"45 Years" zeichnet nach, wie Geoffs Erinnerung an eine Tote bei Kate Eifersucht, Unruhe, Argwohn wecken. Ihre Gewissheit vom trauten Miteinander stürzt ein wie ein Kartenhaus und macht existenzieller Verunsicherung Platz: Bin ich zweite Wahl, nur Trost für die Andere?

Jeder hat Geheimniss

Andrew Haigh (auch Drehbuch) erzählt davon, wie wenig wir voneinander wissen, obwohl wir uns zu kennen glauben. Jeder hat Geheimnisse, die aufzudecken schmerzhaft sein kann. Kate fällt in ein tiefes Tal, ringt um Fassung, will den schönen Schein wahren. Doch die Wahrheit ist ein schleichendes Gift. Wir sehen, wie es wirkt. In Charlotte Ramplings kleinen Blicken und stummen Momenten liegen Kummer und Verzweiflung. Bestes Schauspieler-Kino.