46-Jähriger wegen Serienbetrugs angeklagt

Gerichtsprozess

Hemden mit Superstar-Flair, T-Shirts in flippigen Farben: Vor dem Bochumer Landgericht hat gestern der Prozess gegen einen mutmaßlichen Serienbetrüger begonnen. Angeklagt ist ein Taxifahrer. Zentrale von Hunderten „Luftverkäufen“ im Internet soll eine Wohnung im Bochumer Rotlicht-Viertel gewesen sein.

BOCHUM

28.07.2015, 16:15 Uhr / Lesedauer: 1 min

Laut Anklage hat der 46-Jährige mithilfe eines als gestohlen gemeldeten Personalausweises eines anderen Mannes monatelang ein betrügerisches Doppelleben geführt. Er soll auf den Namen des Ausweisbesitzers erst einen Ebay-Shop, dann ein Girokonto eingerichtet und in Serie Oberhemden der „Dieter-Bohlen-Marke“ Camp David, Shirts von „Ed Hardy“, aber auch Parfum und Handtaschen angeboten haben.

In mindestens 142 Fällen aber kam es nur zu „Luftverkäufen“. Heißt: Geld wurde kassiert, geliefert wurde nichts. Außerdem soll der Taxifahrer über ein Versandhaus Waren an die Rotlicht-Adresse geordert, aber nie bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft hat einen Schaden von 27 000 Euro errechnet. Die Anklage lautet auf Betrug und Steuerhinterziehung. Zum Prozessauftakt verblüffte der Taxifahrer mit einem Mix aus Geständnis und Abstreiten.

Eine Art Kooperation

Den Ausweis des Anderen habe er nie in der Hand gehabt, auch das Konto auf dessen Namen habe er nie eröffnet, hieß es. Richtig sei vielmehr, dass er mit dem Ausweisinhaber – einer „Größe im Rotlicht-Milieu“ – eine Art Kooperation geschlossen habe. Er habe gegen einen Mini-Lohn für den Mann E-Mails bearbeitet und Pakete verschickt.

Außerdem gab er zu, für den ominösen Hintermann etwa 40 000 Euro Einnahmen aus Online-Verkäufen über das Konto seines Vaters transferiert und damit „mehr oder minder gewaschen“ zu haben.

Für den Prozess sind vorerst noch sechs weitere Verhandlungstage bis zum 21. September anberaumt.

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