50 Jahre Arbeit an der Hegel-Gesamtausgabe in 50 Bänden

Ruhr-Universität Bochum

Das Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum arbeitet seit fast 50 Jahren an einer Gesamtausgabe der Werke von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der Philosoph gilt als wichtigster Vertreter des deutschen Idealismus. Professor Walter Jaeschke und sein Team stehen nun kurz davor, das Hegel-Gesamtwerk zu vollenden. Doch es gibt ein Problem.

BOCHUM

, 11.05.2016, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
50 Jahre Arbeit an der Hegel-Gesamtausgabe in 50 Bänden

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1831 porträtiert von Jakob Schlesinger

Fast 50 Jahre hat die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaft und der Künste die Arbeit an der Hegel-Edition gefördert.

Jetzt ist Schluss: "Die Förderung läuft dieses Jahr aus", sagt Walter Jaeschke kurz vor der Vollendung. "Wir hätten noch etwa eineinhalb Jahre gebraucht, dann wären wir fertig gewesen", sagt Jaeschke.

30000 Seiten

Gut 50 Bände mit insgesamt etwa 30000 Seiten Original-Text und Kommentar hätte das Bochumer Team dann herausgegeben. "Dass die Finanzierung nun kurz vor dem Ende nicht weitergeht, ist absurd."

Viel Zeit und Arbeit haben Walter Jaeschke und seine vier Mitarbeiter im Hegel-Archiv in die Edition gesteckt. "Wir haben Texte gesichtet, Hegels teilweise sehr unleserliche Handschrift entziffert, Notizen datiert, chronologisch geordnet, Schrift und Papier analysiert, kommentiert. Jedes Jahr haben wir etwa einen Band mit durchschnittlich 600 Seiten herausgebracht."

Arbeit war nie langweilig

Schon von 1974 bis 1989 hat Jaeschke, damals noch Mitarbeiter im Hegel-Archiv, an der Edition gearbeitet. Seit 1998 leitet er das Archiv. Die Arbeit an der Gesamtausgabe hat er nie als langweilig empfunden.

"Das ist nicht nur eine wichtige, sondern auch eine spannende Arbeit. Jeder Tag ist neu", sagt der 70-jährige Philosophie-Professor. Sein "Handbuch" zu Hegel gilt als Standardwerk, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Begreifen des gesamten Weltzusammenhangs

Hegel zählt zu den bedeutendsten Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts. "Bei Hegel geht es um das Begreifen des gesamten Weltzusammenhangs. Es geht um Logik, die Natur, den Geist.

Er will die Zusammenhänge begreifen", erklärt Jaeschke. Gerade wegen seiner Universalität sei der deutsche Philosoph so bedeutend, weltweit. Umso weniger Verständnis hat Jaeschke für das Ende der Finanzierung der Hegel-Ausgabe.

Kongress im Mai

Trotzdem wird er das Werk, das definitiv "etwas für in der Philosophie Gebildete und Interessierte" sei, beim Internationalen Hegel-Kongress, der vom 17. bis zum 20. Mai in Bochum tagt, vorstellen. Dann läuft auch die Förderung aus.

Um komplett fertig zu werden, sucht das Hegel-Archiv neue Stiftungen, die die restliche Arbeit finanzieren. "Die Mitarbeiter wollen ja auch davon leben", sagt Jaeschke. "Und ich würde das Werk so gerne fertig kriegen."