68.600 Gebäude könnten mit Asbest verseucht sein

Unsichtbare Gefahr

68.600 Gebäude im Stadtgebiet sind möglicherweise mit Asbest verseucht. Das schätzt die Industriegewerkschaft Bauen Agrar und Umwelt (IG BAU) in einer aktuellen Mitteilung. Und die Größenordnung ist durchaus realistisch, bestätigt Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch im Gespräch mit unserer Zeitung.

BOCHUM

von Von Dominik Möller

, 08.08.2012, 08:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Hochhaus am Gesundheitscampus soll noch in diesem Jahr zurückgebaut werden. Eine Sprengung ist wegen der Asbestgefahr nicht möglich.

Das Hochhaus am Gesundheitscampus soll noch in diesem Jahr zurückgebaut werden. Eine Sprengung ist wegen der Asbestgefahr nicht möglich.

Die 68.600 Gebäude, die mit Asbest verseucht sein könnten, sind in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut worden. „Wegen der Wohnungsnot sind damals im Akkord Häuser hochgezogen worden“, sagt Kampschulte. Betroffen seien vor allem Büro- und Fertigungsgebäude. Aber auch in Wohnhäusern könnte in der Dämmung Asbest eingesetzt worden sein. Problematisch werde der Baustoff aber erst, wenn Baumaßnahmen erforderlich sind. Ein Beispiel: das Hochhaus am Gesundheitscampus. Statt das Gebäude einfach zu sprengen, muss es in kleinen Schritten, also Stockwerk für Stockwerk, zurückgebaut werden. Weil die Gefahr, dass Asbest in die Luft gelangt, einfach zu groß sei, sagt Kratzsch.

Ähnlich sei die Situation rund um das Justizzentrum. Eine Sprengung sei in der Innenstadt aber sowieso nicht ohne weiteres durchführbar. „Außerdem hat sich gezeigt, dass ein Neubau günstiger ist als die Sanierung des Gebäudes“, so Kratzsch. Sollte bei Sanierungs- oder Abrissarbeiten unsachgemäß vorgegangen werden, verteilen sich die unsichtbaren Asbestfasern in der Luft. „Da ist ein Kilometer schnell verseucht“, sagt Kampschulte. Wie groß die unsichtbare Gefahr dann ist, ließe sich nur schwer abschätzen. Aber das Risiko, dass die Gesundheit von Anwohnern und Nachbarn beeinträchtig werde, sei hoch.

Das Einatmen von Asbeststaub kann im schlimmsten Fall zu Lungen- oder Kehlkopfkrebs führen. Kampschultes eindringlicher Appell an die Bauunternehmer ist entsprechend deutlich: „Sobald auf Baustellen der Verdacht auf Asbestmaterial besteht, müssen die Arbeiten sofort eingestellt werden. Die Beseitigung ist dann Sache von Spezialfirmen.“