7 Fakten, die Sie über die Zeitumstellung wissen müssen

Winterzeit 2021

Wann wird die Zeitumstellung nun endlich abgeschafft? Welche Probleme haben die Deutschen damit? Sommer- oder Winterzeit – welche wäre auf Dauer die beste? Sieben Fragen, sieben Antworten.

von Natalie Skrzypczak

, 25.03.2021, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Vor oder zurück? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Mit diesem Überblick wissen Sie Bescheid.

Vor oder zurück? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Mit diesem Überblick wissen Sie Bescheid. © Arne Immanuel Bänsch/dpa/dpa-tmn

Eine Stunde mehr schlafen: Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die Winterzeit. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag werden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Nacht ist eine Stunde länger und es kann eine Stunde länger geschlafen werden. Die nächste Winterzeit beginnt am 31. Oktober 2021.

1. Warum gibt es die Zeitumstellung?

Ursprünglich hatte man – ausgelöst durch die Ölkrise 1973 – gehofft, Energie sparen zu können. Das Tageslicht sollte besser genutzt werden. So gibt es die Zeitumstellung in Deutschland seit 1980.

Ein weiterer Grund für die Einführung der Zeitumstellung war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es in der EU eine einheitliche Regelung.

2. Wird durch die Zeitumstellung wirklich Energie gespart?

Der wirtschaftliche Nutzen der Zeitumstellung ist äußerst umstritten. Es gibt keinen Nachweis, dass in relevantem Maß Energie gespart wird.

Das Umweltbundesamt etwa argumentiert: „Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst - im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf.“

Genau genommen wird im Frühling und Herbst morgens öfter die Heizung aufgedreht, da die Temperatur zum Beispiel um 7.00 Uhr so niedrig ist wie vorher um 6.00 Uhr.

Der Forschungsausschuss im Bundestag gab in einem Bericht von 2016 an, dass Deutschland durch die Sommerzeit im Jahr geschätzt gerade einmal 0,2 Prozent Strom spart.

3. Welche Uhren stellen sich automatisch um - welche nicht?

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig ist technisch für die Zeitumstellung zuständig. Sie betreibt mehrere Atomuhren und ist mit der Verbreitung der gesetzlichen Zeit beauftragt.

In Mainflingen in der Nähe von Frankfurt am Main steht eine Sendeanlage. Dort sorgen die Physiker dafür, dass der Zeitzeichensender mit dem Namen DCF77 ein Signal an Millionen Funkuhren in Europa sendet.

Das Signal hat eine Reichweite von 2000 Kilometern. Die Empfänger nutzen das Signal und passen die Zeit so automatisch an. Das Signal lässt die Uhren um eine Stunde vorspringen - vom Funkwecker bis zur Bahnhofsuhr, über Uhren auf Flughäfen und bei den Energieversorgern.

Es gibt aber auch Uhren, die jeder per Hand umstellen muss. Dazu gehören zum Beispiel analoge Armbanduhren und Wanduhren, alte Wecker zum Aufziehen und auch Uhren in älteren Autos.

4. Was denken die Deutschen über die Zeitumstellung?

Jeder Vierte (24 Prozent) leidet nach der Zeitumstellung an körperlichen oder psychischen Problemen. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse DAK vom Februar 2021.

  • 85Prozent der Befragten fühlten sich müde oder schlapp.
  • 70 Prozent der Befragten hatten Einschlafprobleme und Schlafstörungen.
  • 48 Prozent können sich nach der Zeitumstellung schlechter konzentrieren.
  • Zwölf Prozent leiden unter depressiven Verstimmungen.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt das Drehen an der Uhr ab:

72 Prozent gaben an, die Zeitumstellung ist überflüssig und soll abgeschafft werden.

5. Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Bislang gilt die Zeitumstellung zwischen Sommer- und Winterzeit in allen EU-Mitgliedstaaten und auch in weiteren Nachbarstaaten. Allerdings wollen viele EU-Bürger künftig auf den Wechsel verzichten.

Die EU wurde aktiv: Die EU-Kommission hatte nach einer selbst organisierten Umfrage vorgeschlagen, den alljährlichen Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit zu beenden.

Sie legte dafür im September 2018 den Entwurf einer Richtlinie vor. Das Europäische Parlament stimmte dafür, die Zeitumstellung nach dem Jahr 2021 aufzugeben. Nun müssen die Mitgliedstaaten sich im Rat festlegen - doch dort stehen die Uhren in dieser Sache bislang still.

Die Mitgliedstaaten überlegen nun unter anderem, welche Zeit - die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) oder die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) - nach einer Abschaffung der Umstellung als Standard gelten soll. Das können die 27 EU-Staaten künftig eigenverantwortlich festlegen.

Mindestens sieben Stunden - der Schlafbedarf ist verschieden.

Mindestens sieben Stunden - der Schlafbedarf ist verschieden. © Christin Klose/dpa-tmn

Übrigens: Eine Mehrheit der Deutschen glaubt nicht, dass die von der EU geplante Abschaffung der Zeitumstellung bald umgesetzt wird. 63 Prozent der Befragten haben das Projekt auf absehbare Zeit abgeschrieben, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit im Februar 2021 ergeben hat.

6. Welche Zeit wäre auf Dauer besser: Sommer- oder Winterzeit?

Schlafforscher empfehlen ganz klar, die Winterzeit als Dauerzeit einzuführen. Sie entspreche dem biologischen Rhythmus der Menschen, sagt der Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Hans-Günter Weeß.

Zum Wunsch vieler Menschen nach einer dauerhaften Sommerzeit meint er: „Wir lieben natürlich die langen, hellen Sommerabende. Aber wir müssen bedenken, dass wir die Dunkelheit brauchen, um müde zu werden.“ Während der langen Sommerabende werde nämlich unter anderem die Bildung des Schlafbotenstoffs Melatonin unterdrückt. Dadurch würden die Menschen nicht rechtzeitig müde und das führe dazu, dass sie zu spät ins Bett gingen und am nächsten Morgen unausgeschlafen seien, sagt Schlafmediziner Weeß.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) befürwortet ebenfalls eine dauerhafte Winterzeit. Durch die Umstellung auf die Sommerzeit werde der Schlaf-Wach-Rhythmus wie bei einem Jetlag verzögert, heißt es in einer Stellungnahme. „Anders als beim Jetlag im Urlaub kann dem aber nicht gefolgt werden, da Faktoren wie Arbeitsbeginn unverändert weiterhin rein Uhrzeit-abhängig bleiben.“

7. Wie schnell gewöhnen Menschen sich an die Zeitumstellung?

Sommerzeit: Es sei nicht nur eine Verschiebung im Schlaf-Wach-Rhythmus. Man werde auch in der Jahreszeit zurückversetzt. „Der veränderte Hell-Dunkel-Rhythmus trägt mit dazu bei, dass wir etwas länger benötigen. Eine Stunde Zeitverschiebung im Frühjahr entspricht einem Zurücksetzen von drei bis vier Wochen“, sagt Schlafexperte Hans-Günter Weeß. Deshalb dauert die Gewöhnung im Frühjahr im Durchschnitt zwei bis drei Tage länger als im Herbst.

In seinem Buch „Schlaf wirkt Wunder“ erläutert er: Wenn im Frühjahr die Uhr vorgestellt wird, bedeutet dies, dass wir für einen Zeitraum von drei Wochen morgens nochmals in den Wintermodus verfallen. So lange dauert es, bis es wieder zur selben Zeit hell ist wie vor der Umstellung.“

So funktioniert der Kick-Start in den Tag trotz Zeitumstellung

Winterzeit: Wer in der Regel keine Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen hat, hat sich im Schnitt nach wenigen Tagen an die neue Zeit gewöhnt, wie Ärzte sagen. Menschen, die empfindlich reagieren, können dagegen zwischen drei oder vier Wochen brauchen bis sie sich an die neue Zeit gewöhnt haben.

Ein guter Tipp kommt von Franziska Kath, Psychologin der DAK-Gesundheit: „Die beste Medizin ist dabei die Zeit selbst: Nach ein paar ruhigen Tagen und genügend Schlaf hat sich der Körper wieder richtig eingestellt. Wer es nach dem Dreh an der Uhr also erst einmal ruhiger angehen lässt, ist auf der sicheren Seite.“

Übrigens: Im Jahr 2022 findet die Zeitumstellung so statt:

  • Sommerzeit: Sonntag, 27. März 2022
  • Winterzeit: Sonntag, 30. Oktober 2022

Die Gefahr von Wildunfällen steigt mit der Zeitumstellung

Die Gefahr von Wildunfällen steigt mit der Zeitumstellung © Patrick Pleul/zb/dpa


dpa

Was müssen Autofahrer während der Zeitumstellung beachten?

Mit der Zeitumstellung steigt die Gefahr von Wildunfällen. Da Reh, Hirsch und Wildschwein während der Dämmerung am häufigsten unterwegs sind - und damit während des Berufsverkehrs, erklärt der Deutsche Jagdverband (DJV).

Auf Strecken, die durch den Wald oder an Wald- und Feldgrenzen entlang führen, gilt für Autofahrer nun verstärkt:
  • vorsichtig fahren,
  • bremsbereit sein,
  • die Geschwindigkeit senken,
  • auf Tiere am Straßenrand achten.
Insbesondere nach dem Winter sind die Tiere dann stärker auf Futter- und Reviersuche. Nach einer langen Fastenzeit müssen sie ihre Energievorräte auffüllen. So ist im April und Mai – also nach der Umstellung auf die Sommerzeit – die Zeit zwischen 6 bis 9 Uhr besonders unfallträchtig. Die Zahl der Wildunfälle steigt dann im Vergleich zum März um mehr als das Doppelte an, wie eine Auswertung des Tierfund-Katasters des DJV ergeben hat. Nach der Umstellung auf die Winterzeit sei das Risiko für einen Zusammenstoß besonders hoch zwischen 6 und 8 Uhr.
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