88-jähriger Rentnerin mit dem Tod gedroht

Raub und Körperverletzung

Zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Würzburg am Donnerstag einen 35-jährigen Mann aus Bochum verurteilt, der sich nach den Worten seines Verteidigers Martin Gentz zu einem brutalen Raubüberfall auf eine 88-jährige Rentnerin „überreden“ ließ.

BOCHUM

von Von Patrick Wötzel

, 19.11.2011, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Brillantschmuck im Wert von rund 40.000 Euro entkamen die Täter, die 88-Jährige konnte mit gefesselten Füßen zum Telefon kriechen und die Polizei rufen. Körperlich blieb die heute 89-jährige Frau unversehrt, psychisch leidet sie sehr unter der Tat: „Ich bin viel alleine und erschrecke bei jedem Geräusch“, sagte sie im Zeugenstand. Dass bei der Rentnerin etwas zu holen war, wussten die Täter von einem anderen Mann aus Nordrhein-Westfalen, der die Frau einige Zeit vor der Tat aufgesucht und ihr wertvolles Porzellan und Schmuck abgekauft hatte. Für seinen Tipp bekam er von den Tätern einen Anteil an der Beute. Dass der Angeklagte ein Geständnis ablegte, war im vorliegenden Fall nicht selbstverständlich: Ermittelt wurde er aufgrund einer am Tatort festgestellten DNA-Spur. Die führte freilich nicht zu ihm, sondern zu seinem eineiigen Zwillingsbruder. Weil die DNA von eineiigen Zwillingen so gut wie identisch ist, „war der Kreis der möglichen Täter auf zwei Personen eingeschränkt“, sagte der Vorsitzende Richter, Lothar Schmitt.

Kein Geständnis abzulegen, wäre für den 35-Jährigen „ein Spiel mit dem Feuer gewesen“, betonte Schmitt: Denn das Handy des dreifachen Familienvaters befand sich zum Zeitpunkt der Tat in der Funkzelle in der Umgebung des Tatorts. Seinen Mittäter nannte der mehrfach vorbestrafte Arbeitslose nicht. Sein Geständnis genügte trotzdem, seine Strafe deutlich zu reduzieren. Kritik übte der Vorsitzende an den nordrhein-westfälischen Amtsgerichten, die den 35-Jährigen bei sechs Vorstrafen – die meisten davon wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls – nicht gerade hart angefasst haben: „Es wäre besser gewesen, früher schon einmal eine höhere Strafe auszuwerfen. Dann wäre diese Tat vielleicht nie geschehen“, so Schmitt.