"A Long Way Down": Wer später springt, lebt länger

Neu im Kino

Bizarres Stelldichein auf dem Dach eines Londoner Hochhauses. Vier Menschen in Suizidlaune treffen aufeinander, kommen ins Gespräch und beschließen, den Sprung in die Tiefe aufzuschieben. Irgendwie hatte sich jeder den Abschied aus der Welt intimer vorgestellt, nicht als Teil einer Gruppe.

07.04.2014, 12:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
"A Long Way Down": Wer später springt, lebt länger

<p>Springen oder nicht springen - das ist bei (v.l.) Pierce Brosnan, Imogen Poots und Toni Colette die Frage.

Auf der Straße sammelt Martin (Pierce Brosnan) die verhinderten Todesspringer mit dem Wagen ein, weil es regnet. Auf Anhieb sind sie sich sympathisch. Wo die Reise hingeht in Pascal Chaumeils Kino-Adaption eines Nick-Hornby-Stoffes, ist keine Überraschung.Quartett der Deprimierten Wer später springt, lebt länger. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Die neuen Freunde werden in "A Long Way Down" zur Lebensversicherung für das Quartett der Deprimierten.

Vom großen Bogen her scheint das gefällige Wohlfühlunterhaltung zu sein. Gieß die Sorgen in ein Glas Wein, morgen ist ein neuer Tag! So banal kommt es dann doch nicht. Nick Hornby verteilt Tritte gegen die Klatschpresse, die der Film dankbar aufnimmt. Als Reporter hören, wer auf dem Dach stand, lecken sie Blut: Jess, Tochter eines Politikers (Sam Neill), gespielt von Imogen Poots. Dazu TV-Moderator Martin, der Sex mit einer Minderjährigen hatte und im Kittchen saß.

Der Presse-Profi Martin kommt auf die Idee, den Revolverblättern von einem Engel zu erzählen, der auf dem Dach erschienen sei. Maureen (Toni Collette) und J.J. (Aaron Paul) bestätigen das. Noch mehr Schlagzeilen. "Die vier vom Tower sehen Engel!" Farce trifft Tragikomik. Jeder hat sein Kreuz zu tragen, Kurzporträts stellen die vier vor. Der Film zeigt sich weniger an billigen Lachern als an Menschen interessiert. Collette verströmt Schmerz, Brosnan wirkt kein bisschen ölig, Paul hat ein Geheimnis. Imogen Poots stiehlt allen die Schau. Verwundet, aufgekratzt, ein Kummerblick, der zu Herzen geht. Definitiv kein Brüller, aber eine Komödie mit prima Darstellern und mehr Tiefe als gewohnt.

 

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