"A Most Violent Year": New York als Backofen für die Harten

Neu im Kino

Die New York-Saga, Stadtporträt, Milieustudie, Drama oder Thriller, hat sich rar gemacht im Kino. Lange nichts gesehen, das mithalten kann mit "Es war einmal in Amerika", "Serpico", "Taxi Driver", mit "Im Vorhof der Hölle" und "American Gangster". Nun knüpft Regie-Pfiffikus J.C. Chandor mit "A Most Violent Year" an die Klassiker an.

17.03.2015, 15:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Abel Morales (Oscar Isaac) und seine Frau Anna (Jessica Chastain) in »A Most Violent year«.

Abel Morales (Oscar Isaac) und seine Frau Anna (Jessica Chastain) in »A Most Violent year«.

Jetzt kommt der Regie-Pfiffikus J.C. Chandor daher, mit gerade mal zwei Filmen („Margin Call“, „All Is Lost“) auf dem Kerbholz und knüpft an die Klassiker an: „A Most Violent Year“ ist ein Film vom Überleben in einer Stadt für die Taffen und ein Familienstück mit tollen Schauspielern.

New York steht im Rang des Hauptdarstellers. Nicht das aufgeräumte, angehübschte New York von heute. Nebenbei wohl der Grund, warum die Saga alter Machart ausstarb – die Stadt ist sauber und schick geworden. In Vierteln, wo früher die Öltonne rauchte, wohnen Yuppies und Kreative. Nein, nein: Mit Chandors „sehr brutalem Jahr“ ist etwa 1981 gemeint, vor Bürgermeister Giulianis großem Kehraus.

Harte Bandagen

Der fabelhafte Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“) spielt den Unternehmer Morales, der verzweifelt sein Stück vom amerikanischen Traum umklammert. Er ist in der Heizöl-Branche tätig, dort wird mit harten Bandagen gekämpft.

Anonyme Schweinehunde überfallen seine Lieferwagen. Auto futsch, Heizöl futsch. Gerade ist Morales mit Frau (prima: Jessica Chastain) und Kindern ins neue Haus gezogen. Per Handschlag hat er für die Firma ein wichtiges Areal am Fluss gekauft. Plötzlich drohen Pleite und Ruin.

Nervenkrimi

Morales muss sich wehren, ist aber ein Mann von Anstand. Okay, seine Bilanzen sind frisiert, doch Gangstermethoden lehnt er ab. Steuerfahnder rücken an, Morales‘ Frau jongliert mit den Zahlen, er pumpt Freunde an. Der existenzielle Druck ist mit Händen greifbar, prägt Rhythmus und Atem des Films. Subtil und spannend gemacht von Chandor.

„Schaffst Du es hier, schaffst Du es überall“, sang Frank Sinatra: Im Moloch New York, Hexenkessel und Backofen für die Harten. Ein kleines Filmjuwel, ein Nervenkrimi, der von Ort und Atmosphäre lebt.

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