Abend voller dynamischer Spannung

Wittener Bachtage

Friedemann Johannes Wieland, erster Organist und Kantor am Ulmer Münster, gab am Sonntag, 22. Juni, eine reichhaltige Kostprobe seines Könnens bei den Wittener Bachtagen an der Marienorgel. Dazu nutzte er den mechanischen Spieltisch auf der Orgelempore.

WITTEN

, 23.06.2014, 16:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Abend voller dynamischer Spannung

Friedemann Johannes Wieland, Erster Organist und Kantor des Ulmer Münsters, gab ein bemerkenswertes Solokonzert an der Marienorgel bei den Wittener Bachtagen.

An den Anfang setzte er Bachs Vorbild Buxtehude und dessen Ciaconna in c. Das frühbarocke Werk mit perlenden Diskant-Läufen von hoher Brillanz durchzogen säuselnde Lingual- und Trompetenregister. Wieland entfaltete dynamische Spannung, volltönende Schlussakkorde in dem Raum und der Rezeption in angemessener Weise. Die Sonate in a-Moll des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel, bereits der Frühklassik zuzuordnen, entwickelte sich motivisch. Nasaler Klang, kurvenreiche und dichte Laufspuren bei überschaubarer Registrierung, ein auf den Klang von Blockflöten beschränkter Mittelsatz, Klangästhetik zwischen Holzpfeifen und metallischen Farbtupfern darüber im finalen Allegro charakterisierten die Interpretation.

Offener Tonfluss, ohne drangvolle Enge als Musik erlebbar, bestimmte den ersten Satz des Altmeisters Bach. Sanft erklang das Adagio. Die Töne der Fuge schienen zu fliegen, wurden vom dumpfen Bass zusammengehalten im C-Dur des BWV 564. Eine weitere Orgelsonate des Sohnes machte erlebbar, wie sich die Polyphonie des Barock bei ihm zu melodischer Homophonie wandelte. Drehorgel und Piccoloflöte dominierten als Klangfarben dieses ohne Pedal geschriebenen Werkes, dessen Schlusssatz volkstümlich tänzerische Elemente aufwies. Die Gewalt der Orgel nutzte Wieland dort, wo sie angemessen war: bei der Toccata und Fuge d-Moll, einem Werk, das Rick van der Linden und die Band Ekseption in den 70ern der Popkultur erschlossen. Dabei gelang es ihm, trotz des aufgeworfenen Klanggebirges das Instrument in Schach zu halten, extremen Schalldruck auf wenige Augenblicke zu begrenzen. Hochachtung!

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