Abschied einer Legende

DORTMUND Seit 51 Jahren steht Sir Neville Marriner am Pult der Academy of St. Martin in the Fields, die er 1959 gegründet hat. Jetzt führt er sein Orchester auf Abschiedstournee und ist am13. Januar auch im Konzerthaus Dortmund zu Gast. Julia Gaß sprach mit dem 86-Jährigen Briten, der 1985 in Großbritannien zum Ritter geschlagen wurde.

von Von Julia Gaß

, 03.01.2011, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sir Neville Marriner wird am 15. April 87 Jahre. Am 13. Januar dirigiert er in Dortmund.

Sir Neville Marriner wird am 15. April 87 Jahre. Am 13. Januar dirigiert er in Dortmund.

Ja, das ist richtig. Ich habe im London Symphony Orchestra gespielt und auch im Streichquartett des Orchesters. Wir haben zum Spaß das Kammerorchester gegründet. Nach zwei Jahren hatten wir unser erstes Konzert in der Kirche St. Martin-in-the-Fields in London, weil unser Pianist dort Organist war. So kamen wir zu unserem Namen. Unsere Aufnahmen gingen wie Visitenkarten rund um die Welt.

Der damalige Dirigent des London Symphony Orchestra hat mich in seine Dirigentenschule in den USA eingeladen. Das war das Ende meiner Geiger-Karriere.

Nie mehr. Zum letzten Mal 1969 mit Jascha Heifetz. Ich habe meine Geige danach einer jungen Dame geschenkt.

Wir hatten Glück. Wir haben anfangs Vivaldi und Boccherini gespielt, die Ice-Cream-Komponisten, Repertoire, das kaum bekannt war. Später haben wir uns ins 19. Jahrhundert vorgearbeitet. Als wir anfingen, wurden LPs berühmt. Später haben wir alles neu auf CD aufgenommen. 40 bis 70 im Jahr. Auch in kleinen Städten kannte man uns aus dem Radio. Wir hatten Glück, dass sich unser Repertoire von dem großer Orchester unterschied.

Ja. Der ist sehr rein und vital. Daran haben wir hart gearbeitet. Viele Aufnahmen helfen, am Klang zu feilen. Und wir haben junge Musiker, das hält vital. Die Frauen scheiden meist aus, wenn sie 30, 35 Jahre alt sind, weil sie ihre Kinder nicht mit auf die Tourneen nehmen können.

Die frühen Mozart-Sinfonien gehören dazu, die klingen aufregend. Und der "Figaro", unsere erste Opernaufnahme in den 1980er Jahren, im Sommer in Aix de Provence. Das war ein Thrill.

Bei Oper ist es das Größte, sie im Studio einzuspielen. Da bin ich der Boss, im Theater der Regisseur.

Wir spielen Dvorak mit 70 Musikern, nicht groß besetzt, aber auch nicht als Kammerorchester. Sie werden staunen, wie ausbalanciert Dvorak bei uns klingt. Auf Martin Helmchen freue ich mich. Es ist das erste Mal, dass wir etwas zusammen machen.