Adam kommt ins Paradies und scheucht die Evas auf

"Die Verführten" im Kino

Ein Herrenhaus im amerikanischen Süden, ganz ohne Herren: Miss Farnsworth (Nicole Kidman) leitet ein Mädchenpensionat, dem während des Bürgerkriegs nur fünf Schülerinnen blieben, dazu die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst). Mit "Die Verführten" hat Sofia Coppola (auch Drehbuch) einen Roman von Thomas Cullinan verfilmt, quasi als Antwort auf Don Siegels Adaption, wo Clint Eastwood den Hahn im Korb spielte.

30.06.2017, 16:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Adam kommt ins Paradies und scheucht die Evas auf

Nicole Kidman spielt die Schulleiterin.

Das Anwesen wirkt wie ein verzaubertes Elysium, die Kamera von Philippe Le Sour kreiert Bilder wie schwelgerische Gemälde: Sonne, Frühtau, Bäume und Flechten. Ein Paradiesgarten inmitten des Krieges, der bloß ein Grollen in der Ferne ist.

Statt Pilzen findet sie einen Soldaten

Ein Mädchen findet beim Pilzesuchen einen verletzten Yankee-Soldaten (Colin Farrell), der das Leben der Frauen auf den Kopf stellt. Die Schulleiterin liefert den Feind nicht aus, sie will ihn gesund pflegen.

Da liegt er, der Prachtkerl. Backfische giggeln, die Lehrerin putzt sich heraus, ein Knistern liegt in der Luft. Adam kommt ins Paradies und scheucht die Evas auf. Für jede hat der Charmeur ein Kompliment, alle buhlen um ihn.

Wenn sieben Weibsbilder Rivalinnen werden

Verfolgt der Corporal einen Plan, wenn er Edwina seine Liebe gesteht? Wohin führt das, wenn sieben Weibsbilder zu Rivalinnen werden? Die Spannung wispert leise und auf Sparflamme. Sofia Coppola hält den Film in der Schwebe zwischen hauchzarter Komödie und der Ahnung eines Dramas - bis der Yankee zum Grobian wird.

Jetzt kommt Bewegung in ein ätherisches Kammerspiel, das bis dahin mit Schauwerten prunkte. Die Frauen bereiten dem Störenfried einen formvollendeten Abschied. Das Finale bietet Grazie und Sarkasmus in selten vergnüglicher Kombination, List und Frauenpower sind auch dabei. Sehenswert!