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Adenauers Maler zeigt die Freiheit der Kunst

Haus Opherdicke

Bilder von Pferden brachten Anfang der 50er-Jahre die Karriere des Malers Hans Jürgen Kallmann auf Trab. 1937 wurde der 1908 in Posen geborene Kallmann als "entarteter Künstler" diffamiert und sah, wie 365 seiner großformatigen Ölbilder verbrannt wurden.

HOLZWICKEDE

, 21.08.2015 / Lesedauer: 3 min
Adenauers Maler zeigt die Freiheit der Kunst

Die Pferdeherde malte Hans Jürgen Kallmann 1939 mit Öl auf Leinwand.

Hartmann provozierte mit seiner Kunst, wollte auch in den Porträts, die als Auftragsarbeiten entstanden, die Menschen nie nur schön malen. Mit seinem Bild von einer Hyäne, die nach Auffassung der Nationalsozialisten der Jude unter den Tieren sei, brüskierte er die braunen Machthaber. Erst ab den 50er-Jahren hatte Kallmann dann die Erfolge, die er ohne das Jahr 1933 schon viel früher gehabt hätte.

Der Kreis Unna präsentiert nun im Haus Opherdicke 90 Arbeiten des nur in Süddeutschland bekannten Künstlers, dessen Todestag sich im nächsten Jahr zum 25. Mal jährt. Auch Gerda Haddenhorst-Kallmann, Witwe des Malers, ist begeistert von der schönen Hängung in den tollen Räumen in dem idyllisch gelegenen Museum.

Seelenstudien

In drei Werkgruppen ist die Schau unterteilt: Menschen, Tiere und Landschaften. Kallmann war immer auf der Suche nach dem Verborgenen. "Seine Gesichter sind Landschaften, und seine Landschaften sind Porträts", sagt Thomas Hengstenberg, Leiter des Fachbereichs Kultur im Kreis Unna.

Umringt von Prominenz ist man als Besucher in den Porträt-Kabinetten. Kallmann malte auch Konrad Adenauer - eine Auftragsarbeit, die dem Kanzler gar nicht so gut gefiel, weil seine Hände zu greisig aussähen, steht in Kallmanns Autobiografie. Das Ölbild hängt in der Galerie der Kanzler im Bundestag. In Holzwickede ist eine Studie zu sehen.

Schauspieler und Politiker

Viele Schauspieler, auch ein Papst, Theodor Heuss, Franz Josef Strauß und Käthe Kollwitz (eine Nachbarin in Berlin) und Bert Brecht, Freund des Theaterliebhabers Kallmann, sieht man in der Ausstellung. "Er brauchte immer die Aktion der Porträtierten, um zu malen", erzählt die Witwe, die auch auf einem der Bilder zu sehen ist.

Der letzte Raum ist ein melancholischer, etwas bedrückender Raum. Kallmanns Bruder starb in der Psychiatrie; auch dort hat der Maler Menschen porträtiert und die Stimmungen eingefangen. Sein Bild eines Mädchens hat die Kraft von Munks "Schrei".

Winterwald und Watt

Ruhiger sind die Landschaftsbilder - vom Winterwald, von Häusern an der Lehmkuhle und vom Wattenmeer. Tiere hatten Kallmann immer interessiert, mit dem Aquarell eines Fohlens, das in einer Zeitung erschien, wurde er in den 50ern berühmt.

Im Haus Opherdicke sind atemberaubende Bilder von Pferden des Reiters Kallmann zu sehen, und auch Affen, sogar einen Eulen-Raum gibt es.

 

Haus Opherdicke: "Hans Jürgen Kallmann: Die Kunst - mein Leben", 23.8. (Eröffnung um 11.30 Uhr) bis 22.11., Dorfstraße 29, Di-So 10.30-17.30 Uhr, Katalog: 24 Euro.