ADFC Bochum bemängelt Fahrrad-Situation

Fahrradfreundliche Stadt

An vielen Stellen in Bochum sind Radwege zugeparkt oder existieren gar nicht. Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise will Bochum dennoch werden. Noch bis zum 18. Juli soll eine entsprechende Bewerbung raus gehen. Klaus Kuliga vom ADFC kritisiert die Stadt.

BOCHUM

, 15.07.2014, 05:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
ADFC Bochum bemängelt Fahrrad-Situation

Klaus Kuliga, Vorsitzender des ADFC Bochum, steht an der Viktoriastraße. Im Hintergrund warten zwei Autos am Straßenrand auf freie Parkplätze.

Auf der Kreuzung kann ein Fahrzeug nicht weiter fahren, Fußgänger schlängeln sich durch Autoreihen auf Parkplatzsuche, jemand hupt. Mittendrin steht Klaus Kuliga. Kopfschüttelnd schaut er sich das Durcheinander an. „Sehen Sie, kreuz und quer, hin und her geht das hier“, sagt er und weist mit ausgestrecktem Arm in die Viktoriastraße. „Eigentlich wollte man hier mal den Autoverkehr aus dem Kreuzungsbereich raushaben. Aber je länger es diese Stelle nun so gibt, desto schlimmer wird es“, sagt der Bochumer.

Das Hauptproblem seien nicht die durchfahrenden Autos. Wesentlich mehr stören die, die einen Parkplatz suchen, ein- oder ausparken. Besonders da, wo die Parkflächen quer zur Straße liegen und die Fahrzeuge den Verkehr kreuzen müssen. Dabei waren diese Parkplätze ursprünglich gar nicht geplant, zumindest nicht in der Menge. Kuliga vermutet, dass aus ihnen Kurzzeitparkplätze wurden, „weil hier ständig illegal Autos abgestellt wurden“. Susanne Düwel, Abteilungsleiterin Straßen beim Tiefbauamt kann das so nicht bestätigen: „Wir brauchen in der Innenstadt einfach viele Parkplätze.“ Doch sie räumt auch ein, dass das Konzept hier spätestens mit der Entstehung des Viktoriaquartiers noch einmal überarbeitet werden muss.

Die Vorwürfe des ADFC kennt sie, kann sie aber nicht immer nachvollziehen. „Der ADFC Bochum sieht alles zu 150 Prozent durch die Radfahrer-Brille. Wir aber müssen alle berücksichtigen, den fließenden Verkehr, die Fußgänger, den Parkverkehr, die öffentlichen Verkehrsmittel.“ Nichtsdestotrotz wolle man den Radverkehr fördern, die Ziele sind ehrgeizig. Der Ausbau des Springorum Radwegs gehört dazu, außerdem sind Radfahrstreifen an allen sieben Cityradialen geplant. Der an der Herner Straße solle schon bald durchgängig sein, sagt Düwel. Aber „was sich der ADFC wünscht, werden wir hier so sicher nicht erreichen können“.

Klaus Kuliga geht das zu langsam. Er wünscht sich mehr Engagement, hofft, dass den Worten auch Taten folgen. Vor allem wünscht er sich, dass in der Innenstadt mit der Freundlichkeit gegenüber Radfahrern begonnen wird – besonders rund um das Rathaus. Einen Fahrradbeauftragten, wie es ihn mal gab, hat die Stadt zurzeit nicht. „Der Antrag ist gestellt“, sagt Düwel, „aber aufgrund der Haushaltssperre kann sich das auch verzögern.“ Dabei wäre der dringend nötig, denn laut Kuliga nehme die Zahl der Radfahrer stetig zu. Eine Erhebung zu aktuellen Daten führe die Stadt gerade durch. Vielleicht sind die Ergebnisse daraus eine Chance, und Stadt und ADFC setzen sich in Zusammenarbeit für mehr Fahrrad-Freundlichkeit ein.

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