Aggressiver Fahrgast will keine Maske tragen und greift Busfahrer an

rnAngriff auf Busfahrer

Weil ihn der Busfahrer aufgefordert hatte, während der Fahrt eine Maske zu tragen, ist ein Mann am Bahnhof in Rheine ausgerastet und hat den Mitarbeiter des Ochtruper Busunternehmens angespuckt.

von Anne Steven

Ochtrup

, 16.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Menschen nicht immer freundlich sind und manchmal ausfallend werden können, daran muss man sich als Busfahrer wahrscheinlich gewöhnen. Doch was einem Mitarbeiter des Ochtruper Busunternehmens Veelker jetzt in Rheine passiert ist, hat nichts mehr mit schlechter Laune zu tun.

„Ich bin immer noch fassungslos“, sagt Verkehrsleiter André Stagnet. Sein Busfahrer, ein Mitarbeiter aus Gronau, war auf der Linie R 80 unterwegs. Am Dienstag kam er um 16.10 Uhr am Bahnhof in Rheine an. Nachdem die Fahrgäste ausgestiegen waren, änderte der Gronauer die Anzeigetafel – die Weiterfahrt sollte um 17.04 sein – und öffnete die Türen für neue Fahrgäste.

Beleidigungen und noch mehr

Der junge Mann im dunkelgrünen Parka, der dann laut André Stagnet in den Bus stieg, hatte zwar ein gültiges Ticket, trug aber keinen Mund-Nasen-Schutz. „Unser Fahrer hat ihn auf die Maskenpflicht in den Bussen aufmerksam gemacht“, erzählt Stagnet. Doch der Mann habe sich weiterhin geweigert. Er sei auf dem Rückweg von der Arbeit und wolle keine Maske tragen.

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Daraufhin habe der Busfahrer – laut André Stagnet ein erfahrener Kollege – vorgeschlagen, der junge Mann könne doch in der gegenüberliegenden Apotheke rasch einen Mund-Nasen-Schutz besorgen. „Normalerweise haben wir im Bus immer Ersatzmasken da. Aber die waren an diesem Tag schon aufgebraucht“, erklärt André Stagnet.

Fahrgast spuckt Fahrer durch Öffnung in Plexiglasscheibe an

Diesen Vorschlag fand besagter Fahrgast überhaupt nicht gut. Vielmehr noch begann er nun, den Busfahrer wüst zu beleidigen (André Stagnet: „Diese Kraftausdrücke möchte ich nicht wiederholen“), wurde handgreiflich und spuckte ihn durch die Kleingeld-Öffnung in der Plexiglasscheibe am Fahrersitz an. „Daraufhin ist unser Mitarbeiter aufgestanden“, berichtet der Verkehrsleiter vom weiteren Verlauf der Situation, die nun eskalierte.

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Während der Busfahrer versucht habe, sich mit Tritten gegen den renitenten Fahrgast zur Wehr zu setzen, bekam Letztgenannter einen Fuß des Busfahrers zu fassen, zog und der Gronauer stürzte laut André Stagnet aus dem Bus. Daraufhin habe der Fahrgast die Flucht ergriffen. Der Fahrer wurde glücklicherweise nicht schwer verletzt. „Es geht ihm gut. Er hat ein paar Prellungen abbekommen“, erzählt sein Vorgesetzter.

Videokamera zeichnete Geschehnisse auf

André Stagnet hat für das Busunternehmen Anzeige bei der Polizei erstattet. Glücklicherweise habe die Videokamera in dem Fahrzeug die Geschehnisse aufgezeichnet. Die Aufnahmen will der Verkehrsleiter der Polizei übergeben. Für eine Veröffentlichung braucht es allerdings einen richterlichen Beschluss. Ein Vorfall wie dieser sei kein Einzelfall. „Die Polizei haben wir regelmäßig im Bus“, sagt André Stagnet. Der häufigste Grund ist das Schwarzfahren. Vor Kurzem sei aber auch in einem Bus mit Drogen gedealt worden. „Das hat der Fahrer aber mitbekommen und die Polizei gerufen“, berichtet André Stagnet von einer mitunter „harten Szene“.

Großteil der Fahrgäste ist freundlich

Die Ochtruper Firma Veelker ist mit ihren Bussen im gesamten Münsterland unterwegs. „Wenn Schule ist, befördern wir etwa 10 000 Menschen pro Tag“, schätzt André Stagnet. Aktuell liegt die Auslastung, auch aufgrund der Ferien, bei etwa 40 Prozent. Während sich die meisten Fahrgäste an die Maskenpflicht hielten, gebe es immer wieder „Ignoranten“. Die Busfahrer wiesen auf die Maskenpflicht hin, könnten aber nicht gewährleisten, dass diese auch während der Fahrt eingehalten werde. „Das ist nicht möglich“, stellt Stagnet klar.

Die Busfahrer selbst müssen übrigens hinter den Plexiglasscheiben am Fahrersitz keine Maske tragen. „Etwa 90 Prozent der Fahrgäste begegnen unseren Fahrern mit Freundlichkeit“, weiß der Verkehrsleiter bei Veelker. Nur, dass die anderen zehn Prozent so eskalieren können, hatte er nicht vermutet.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei ist auf der Suche nach Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall am Rheiner Bahnhof geben können: 0 25 53 / 93 56 41 55.
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