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Höhenflüge in der Dachkammer

20.11.2007

Ahaus Bestechende Artikulation, gereifte Virtuosität und nachhaltige Intensität; in dieser Reihenfolge musizierte das junge Duo Hsiu-Yu Kriege Wang und Tsung-Yen Tsai Mozart, Saint-Saëns und César Franck im Dachgeschoss der Villa van Delden.

In Mozarts B-Dur Sonate KV 454 präsentierte sich die Ahauser Pianistin Hsiu-Yu Kriege Wang (Foto) von Beginn an in musikalisch und technisch bestechender Frühform. Präzise, detailverliebte Artikulation im konzertanten Zugriff zeichneten ihr feinsinniges Klavierspiel aus. Ihr Duopartner Tsung-Yen Tsai gelang es dabei nicht vollends ihr ein ebenbürtiger Spielpartner zu sein. Bogentechnische Aufgeregtheiten führten zu leichten Klangunfällen. Jedoch rehabilitierte er sich stehenden Fußes im folgenden Werk, der berühmten Havanaise von Saint-Saens. Befreit und in souveräner solistischer Manier strich er sich mit viel Mut, Können und Temperament durch die vielfältigen virtuosen Passagen. Dabei gelangen ihm blitzsaubere Dreiklänge, temporeiche Läufe bis in die höchsten Lagen, schwierige Doppelgriffpassagen in Oktaven und Dezimen, künstliche Flageolets ebenso spielerisch, wie spezielle Bogentechniken vom flying staccato bis hin zum Riccochet. Plötzlich war auch der Geigenton viel verbindlicher, präsenter, ja bissiger und konnte sich überzeugend und intensiv um die leicht süffisant süßli chen Melodien kümmern.

Mit Francks meisterhaften Sonate in A-Dur für Violine und Klavier setzte das Duo dann endgültig zu wahrhaft kammermusikalischen Höhenflügen an. Im geschlossenen Ductus lavierte es sich durch die weitausladenden schwärmerisch, lyrischen Melodiebögen des Allegretto ben moderato. Dabei umarmte das Klavier die Violine immer wieder mit samtweichen Arpeggien, auf die die Violine leidenschaftlich, spontan und innig mit einem "son filé" zu antworten wusste. Wahre Klanggewitter des Klavieres ergossen sich im dramatisch zugespitzen Allegro über der Violine, die sich nachhaltig und mit nicht zu überbietender Intensität durch die riesigen, überbordenden Klangwolken wühlte. Gemeinsam ergingen sich die Instrumente in romantischen Träumereien, die sie immer wieder gekonnt strafften und im Schlusssatz zum abschließenden Höhepunkt führten.

Ursula van der Linde-Bancken

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