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Plätzchen zum Wohlfühlen

Ahaus Entschlossen wirft Schwester Bernhildis den Teigklumpen auf die Anrichte und knetet ihn kraftvoll mit geübten Händen. Der Backofen hinter ihr verströmt schon vorweihnachtlichen Plätzchenduft, und auf dem Küchentisch lädt eine offene Blechdose mit knusperfrischen Köstlichkeiten zum Naschen ein.

16.11.2007

So schafft die Ordensfrau in der Küche des Hauses Abraham an der Kreuzstraße Geborgenheit und ein Gefühl des Daheimseins für obdachlose Männer - und ein wenig wohl auch für sich selbst.

Mit 72 Jahren hat die Franziskanerin vor wenigen Wochen wieder einmal Neuland betreten. Fast ein halbes Jahrhundert hat sie in verschiedenen klösterlichen Konventen gelebt. Jetzt wohnt sie als Nachfolgerin von Schwester Eligia mit Obdachlosen unter einem Dach und gibt ihnen Halt und ein Zuhause. Fürchtet sie sich nicht, plötzlich ganz allein einer neuen Aufgabe gegenüberzustehen?

Sr. Bernhildis schüttelt energisch den Kopf: "Ich bin doch nicht allein. Die Männer sind ja bei mir und helfen, wo sie können. Außerdem kann ich meine Mitschwestern im Krankenhaus regelmäßig besuchen."

"Durchsetzen gelernt"

Aber wenn es im Haus Abraham Konflikte gibt? "Ich habe in den letzten sieben Jahren in Berlin gelernt, mich durchzusetzen", lacht Sr. Bernhildis. Seit dem Jahr 2000 hat sie in Pankow in einer Suppenküche für bis zu 500 Obdachlose und Bedürftige gekocht. "Da blieb auch Zeit für Gespräche, in denen ich erfahren habe, wie schnell ganz normale Menschen durch Scheidung oder Arbeitslosigkeit abrutschen können."

Nach ihren Berliner Jahren hatte sie jetzt eigentlich in einem Altenheim etwas kürzer treten wollen. Doch dann fragte ihre Provinzoberin, ob sie sich diese neue Aufgabe in Ahaus vorstellen könnte. Pfarrer Jürgen Quante hatte zuvor die Oberin um Hilfe bei der Suche nach einer Nachfolgerin für Schwester Eligia gebeten.

"Für die Armen da"

Sr. Bernhildis gesteht, dass sie anfangs skeptisch war: "Ein Haus für Obdachlose - das soll wohl so eine Bruchbude am Stadtrand sein, dachte ich." Doch dann machte sie mit Mitschwestern einen Ausflug nach Ahaus - "und das Haus hat mir sofort zugesagt". Außerdem: "Wenn Arbeit da ist, dann macht man sie auch. Unser Franzsikanerorden ist ja ein Orden für die Armen."

"Glücksfall"

Pfarrer Jürgen Quante nennt Schwester Bernhildis einen "Glücksfall" für das Haus Abraham. "Sonst hätten wir nicht gewusst, wie es weitergeht", sagt der Pfarrer und greift beim Thema Glücksfall gerne noch einmal in die Plätzchendose. gro

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