Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Solistenoktett aus Berlin sorgt für Klangrausch

15.11.2007

Ahaus Das Berliner Solistenoktett, das am Sonntag das zweite Schlosskonzert bestrich, produzierte an diesem Abend hochpotenzierte kammermusikalische Hörgenüsse, die den Zuhörer in einen wahren Klangrausch versetzte.

Das erste Stück des Abends, Präludium und Scherzo für Streichoktett von Schostakowitsch, war durch seine würzige Kürze und hochexplosive kompositorische Anlage bestens geeignet, den Abend fulminant zu eröffnen und jeden Zuhörer, der es sich in seinem Sitz allzu gemütlich machen wollte erst einmal ordentlich durchzurütteln. Allen voran an der ersten Violine Mirijam Contzen, die in den kadenzartigen Solopassagen ihren wunderbar großen Geigenton intensiv entfalten konnte und ihre Primariusqualitäten dabei voll ausspielte. Auffallend nicht nur die ungeheure Lust an der Provokation und Gestaltung von überraschenden Momenten, sondern auch das bogentechnische Vermögen, schwierigen technischen Herausforderungen mit souveräner Perfektion und absoluter Professionalität in allen Stimmgruppen zu begegnen.

Sensibler Klangsinn

Nach so viel aufgeheizter Stimmung brauchte es eine Zeit, um sich in die romantischen Klangwelten eines Niels W. Gade mitnehmen zu lassen. Mit viel Klangsinn gestalteten die hohen Streicher die weit ausholenden oktavierten Melodiebögen des Streichoktetts F-Dur op.17 und liefen doch nie Gefahr sich im sensiblen Stimmengeflecht zu verlaufen.

Leicht und präzise

Zum dramaturgischen Höhepunkt, ob seiner sinfonischen Länge und kunstvollen kompositorischen Anlage, geriet dann zweifelsfrei Mendelssohns Oktett in Es-Dur op.20. Die Genialität dieses Kammermusikwerkes wird dann erst richtig offenbar, wenn es, wie am Sonntag geschehen, von einem außergewöhnlichem Ensemble dargeboten wird. So geriet diese Musik nicht nur zu einem Ohrenschmaus, sondern zusätzlich noch zu einer Augenweide. Daran hatten die Bässe Jens Peter Maintz und Peter Hörr einen erheblichen Anteil. Sie spielten nicht nur die Töne, sie lebten mit ihnen, warfen sich geistreich die musikalischen Bälle zu, ordneten von der Basis die kompakte Achtstimmigkeit und kommunizierten frisch und offen in alle Stimmgruppen hinein. Mit Leichtigkeit, Präzision und Verspieltheit tanzte das Ensemble gemeinsam durch das ziselierte Scherzo, um dann im abschließenden Presto noch einmal alle musikalischen Kräfte zu bündeln, mit dessen Hilfe das formal großangelegte Fugato und sein enervierender Kontrapunkt zu ein em grandiosen Höhepunkt wurde.

Ursula van der Linde-Bancken

Lesen Sie jetzt