Ai Weiwei lädt ins kleine Zeltdorf am Emscherquellhof

Emscherkunst

Die "Emscherkunst 2016" läuft auf Hochtouren. 24 Kunstwerke können die Besucher noch bis zum 18. September täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr kostenlos besichtigen. Das Motto der Freiluft-Ausstellung ist "Entdecke die Kunst - Erlebe die Veränderung". Wir stellen die Kunstwerke vor - diesmal "Aus der Aufklärung" von Ai Weiwei.

HOLZWICKEDE

, 22.08.2016, 19:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ai Weiwei lädt ins kleine Zeltdorf am Emscherquellhof

Zehn verschiedene Motive sind auf den Zelten am Emscherquellhof abgebildet.

Nein, es ist kein reiner Campingplatz, den die Besucher der Emscherkunst-Ausstellung am Emscherquellhof besichtigen und nutzen können. Die Zwei-Personen-Zelte sind weitaus mehr als nur eine Unterbringungsmöglichkeit. Vielmehr handelt es sich um Kunst mit einer starken politischen Botschaft.

Knapp 1000 Exemplare

Knapp 1000 Zelte hatte der chinesische Künstler Ai Weiwei, der heute als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste tätig ist, bereits für die Emscherkunst-Ausstellung 2013 produzieren und anschließend verlosen lassen. 50 sind geblieben und finden nun an der Quelle der Emscher erneut Verwendung.

Ihr Design mag den meisten Besuchern zunächst etwas kurios erscheinen, in manchen Fällen sogar unverschämt. Da sieht man das Röntgenbild eines Schädels oder den Künstler im Profil mit ausgestrecktem Mittelfinger. Willkürlicher Protest eines frustrierten Künstlers? Nicht ganz. "Jedes dieser Motive erzählt eine Geschichte aus Ai Weiweis Leben", erklärt Patricia Bender, Pressesprecherin der Emschergenossenschaft.

2011 inhaftiert

Der Künstler, der 2011 wegen seiner regierungskritischen Aussagen inhaftiert wurde, zeigt mit seinen Zelt-Motiven unter anderem das Fehlverhalten der chinesischen Behörden auf - etwa im Falle des Stahlträger-Motivs, das auf ein Erdbeben verweist, bei dem eine Schule zerstört wurde. Das Motiv der Krabben hingegen verweist auf die in seinem Heimatland herrschende Zensur - das Wort "He-Xie" bezeichnet beides.

Auch imposante Werke wie die "Sonnenblumenkerne" - eine in der Tate Gallery of Modern Art in London gezeigte Installation aus Millionen kleiner Porzellanteile - sind auf den Zelten abgebildet. Der Zweck seiner kleinen Emscherkunstwerke sei allerdings nicht eine bloße selbstreferenzielle Darstellung, wie Ai Weiwei im Vorfeld der Ausstellung betonte.

Ziel sei es vor allem, den Besuchern eine sinnliche Beziehung zu ihrer unmittelbaren Umwelt zu geben. Das funktioniert auf einem kleinen Campingplatz natürlich bestens.