"Aida" als neo-apokalyptisches Fantasy-Märchen

Halde Haniel Bottrop

BOTTROP Die Arena di Verona des Ruhrgebiets liegt in Bottrop: hoch oben auf der Halde Haniel. Der 26-jährige Bottroper Regisseur Thomas Grandoch zeigt, wie Verdis „Aida“ im Amphitheater funktionieren kann.

von Von Klaus Stübler

, 14.06.2010, 16:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Aida" als neo-apokalyptisches Fantasy-Märchen

Amneris (Maria Ferencik, l.) und Aida (Elisabeth Otzisk) in Bottrop.

Kostüm- und Maskenbildner José Eduardo Luna hat mit Accessoires wie Gasmaske und Traumfänger, Radkappe und Grubenlampe oder auch Computerplatinen als Schmuckstücken eine science-fictionhafte, fast schon wieder archaisch anmutende „Aida“-Kollektion entworfen. Und die gilt es bei zahlreichen Auf- und Abtritten der etwa hundert Mitwirkenden über die Zuschauertreppen und einen Zickzackweg aus verrosteten Stahlplanken, und im Bühnenrund selbst, zu begutachten. Wobei Grandoch auch intime Szenen wirkungsvoll gestaltet, etwa, wenn er die Erinnerung Aidas an ihre Kindheit in einer jungen Statistin Gestalt annehmen lässt. Im Gedächtnis bleiben jedoch die großen Bilder wie die geflutete Bühne im Nilakt oder die Priester mit brennenden Fackeln am Haldenrand zwischen den Stelen von Agustin Ibarrola.

Und die Produktion kann sich auch hören lassen: Elisabeth Otzisk singt die Aida mit schönen Legatobögen, James Tolksdorf ist als Amonasro zu hören. Maria Ferencik gibt eine auch schauspielerisch starke Amneris. Radames singt der heldentenorale, Verona-erprobte Kolumbianer Ernesto Grisales. Der Projektchor aus Bottroper Chören und die neu gegründeten Bottroper Symphoniker unter Joachim Mayer-Ullmann bewähren sich auf gutem Niveau.    

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