Albträume in der "Glasmenagerie"

Schauspiel Köln

Alles in Sebastian Kreyers Inszenierung von Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie", die Sonntag am Schauspiel Köln Premiere hatte, wirkt überzogen, vergröbert und verzerrt. Aber dieses Erinnerungsstück ist auch eine Art Exorzismus.

KÖLN

von Von Sascha Westphal

, 03.12.2012, 15:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
»Die Glasmenagerie« feierte im Schauspielhaus Köln Premiere.

»Die Glasmenagerie« feierte im Schauspielhaus Köln Premiere.

Vor langer Zeit hat Tom Wingfield (Orlando Klaus) seine Mutter Amanda (Anja Laïs) und Schwester Laura (Marie Rosa Tietjen) verlassen. Aber in seinen Gedanken verfolgen sie ihn. Also inszeniert er seine Erinnerungen als Albtraumspiel und Amerika-Groteske. Das Bühnenbild von Thomas Dreissigacker ist ein klassisches Trailer-Park-White-Trash-Idyll mit riesigem Wohnwagen, billigen Gartenmöbeln und zwei Plastikflamingos. Wer hier lebt, kann innerlich nur verkrüppelt und deformiert sein.

Alles nur Theater Sebastian Kreyer lässt nie vergessen, dass das absurde Treiben nur Theater ist. Sobald etwas nicht nach Toms Vorstellungen läuft, erinnert Orlando Klaus seine Mitspieler daran, dass dies sein Stück sei. Anja Laïs fällt immer wieder aus der Rolle, bezieht die Souffleuse mit ein und entreißt ihr sogar das Textbuch.

Sie und Marie Rosa Tietjen wechseln Stimmungen bald noch häufiger als die Perücken, während Orlando Klaus in seinen Kostümen aussieht, als wollte er zu einem "Village People"-Casting.

Unendliche Traurigkeit Den wüsten Überzeichnungen, in denen sich das Spiel zu überschlagen scheint, stehen immer wieder Momente der Ruhe und Verzweiflung gegenüber. Der Star des amerikanischen Endspiels ist Rosa Marie Tietjen. Selbst wenn sie ihre Laura wie eine geistig Behinderte sprechen lässt oder sich hinter Zuckungen und Verrenkungen versteckt, ist da noch eine unendliche Traurigkeit, die zu Herzen geht.

Termine: 7./28./29.12., 6./9./17.1., Karten: Tel. (0221) 22 12 84 00

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