Albtraumunfall: Bewährungsstrafe für Fahrer

Prozess in Bochum

Diese Heimreise von der Bochumer Diskothek "Prater" endete in einer Katastrophe: Nach einem schweren Unfalldrama in Herne, ist ein Autofahrer (23) am Bochumer Landgericht zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Unglücksfahrer war mit seinem PKW in einen Brückenpfeiler geschleudert - sein Beifahrer lag danach wochenlang im Koma.

BOCHUM

10.01.2017, 14:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

Drei eingeklemmte Beifahrer, ein völlig demoliertes Auto: Das Unfalldrama passierte am 12. Dezember 2015. Der Angeklagte aus Herten war mit drei Freunden auf der Heimreise nach einem Diskobesuch im "Prater". Auf der Dorstener Straße in Herne verlor der Fahrer die Kontrolle, kam auf regennasser Fahrbahn in einer Rechtskurve in Schleudern.

Der Suzuki Swift drehte sich um 180 Grad und krachte ungebremst in einen Pfeiler einer Brücke über den Rhein-Herne-Kanal. Während der 23-jährige Angeklagte nahezu unverletzt blieb und sich aus dem Auto befreien konnte, mussten seine drei verletzten Freunde von der Feuerwehr mit schwerem Gerät aus dem Unfallauto freigeschnitten werden. 

"Mir fehlte der halbe Kopf"

Der vordere Beifahrer wurde durch den Aufprall auf den Stahlträger der Brücke besonders folgenschwer getroffen. Sein Schädel war im Bereich der Stirn gesplittert, seine Augenhöhlen gebrochen. Bis auf eine Rippe waren alle übrigen gebrochen. Hinzu kamen schwerste Bruch- und lebensgefährliche Riss-Quetsch-Verletzungen im Rumpfbereich.

"Mir fehlte der halbe Kopf", erinnerte sich das Opfer am Dienstag vor dem Bochumer Landgericht an das Erwachen aus dem Koma. Heute trägt der 25-Jährige eine Stirnplatte aus einer Art Kunststoff, muss mittelfristig noch mehrere Male operiert werden. Seinen Job als Fleischer wird er wohl nie wieder richtig ausüben können.

Nicht betrunken, nicht gerast

Der Vorwurf an den Angeklagten, der damals weder betrunken noch gerast war, lautete "unangepasste Geschwindigkeit". Mit Blick auf die örtlichen Gegebenheiten (Doppelkurve), die Witterung (regennass) und die Lichtverhältnisse (dunkel), hätte er sein Tempo drosseln und anpassen müssen, hieß es in der Urteilbegründung.

In erster Instanz hatte das Amtsgericht Herne gegen den 23-Jährigen noch eine Geldstrafe (3600 Euro) für vertretbar gehalten. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde diese Strafe jedoch nun abgeändert. Als Bewährungsauflage muss der Unglücksfahrer ("Es tut mir schrecklich leid.") 1000 Euro Schmerzensgeld an das am schwersten verletzte Opfer bezahlen. Das Urteil lautet auf fahrlässige Körperverletzung.