Alfred Brendel plaudert aus seinem Leben

Klavier-Festival Ruhr

Mittwochabend im Vortragssaal des Folkwang-Museums: eine Veranstaltung des Klavier-Festival Ruhr - und kein Flügel auf der Bühne. Denn es kam der große Alfred Brendel. Und der spielt ja schon seit Ende 2008 nicht mehr öffentlich, jetzt sogar nicht einmal mehr kleine Musikbeispiele. Diesmal sprach er über sich selbst, plauderte aus seinem musikalischen Leben.

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, 08.06.2017 / Lesedauer: 2 min
Alfred Brendel plaudert aus seinem Leben

Alfred Brendel plauderte beim Klavier-Festival Ruhr aus seinem Leben als Konzertpianist.

Wer 60 Jahre lang als Konzertpianist um die Welt gereist ist, der hat was zu erzählen. Es werde von ihm keine Autobiografie geben, leitet Brendel seinen weitgehend abgelesenen Vortrag ein: "Dazu bin ich zu wahrheitsliebend". Und außerdem glaube er nicht, dass man vom Privatleben eines Künstlers auf dessen Werk schließen könne.

So kommen sie nur am Rande vor: die Eltern, bei denen das Klavierspiel "zur bürgerlichen Routine" gehörte, oder auch die Wiener Großtante, wo er nicht ans Klavier durfte. Brendels launiger Kommentar: "Man kann sich auch kaputtüben".

Konzertmitschnitt mit Rattle steht noch aus

Der Bogen spannt sich vom ersten Klavierabend in Graz bis zu einem Konzertmitschnitt von 2001 unter Simon Rattle, dessen Veröffentlichung leider immer noch ausstehe. Brendel schwärmt von Edwin Fischer, bei dem er einen Meisterkurs besuchte, vom Chopin-Spieler Alfred Cortot und von Wilhelm Kempff, der sein "Ohrenöffner für Schubert" gewesen sei.

Und dennoch habe er am meisten von Dirigenten und Sängern gelernt. Er lobt die Zusammenarbeit mit Hermann Prey, Dietrich Fischer-Dieskau und Matthias Goerne. Überhaupt sei für ihn das Gesangliche das "Geheimnis der Musik".

Bei aller anekdotischen Gelassenheit ist Brendel aber auch nachdenklich: "Manchmal lache ich noch, aber nicht mehr so viel wie früher".