Alle hassen Hancock

Hancock ist anders als der Rest der Superheldenblase: Eine Saufnase, ein abgerissener Penner, der sich verkatert auf Bänken lümmelt und bei seinen Auftritten mehr Kleinholz macht als Gutes tut. Am 3. Juli kommt der Filmheld der anderen Art ins Kino.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 30.06.2008, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wieder einmal alles kaputt: Hancock alias Will Smith kann seine Kräfte nicht kontrollieren.

Wieder einmal alles kaputt: Hancock alias Will Smith kann seine Kräfte nicht kontrollieren.

Klar hat er imponierende Kräfte. Ist es ein Flugzeug, ist es eine Rakete? Nein, es ist Hancock, der um die Wolkenkratzer düst! Er ist der Supermann, der als Rammbock einen Zug in voller Fahrt zum Stehen bringt. Er ist der Nothelfer, der die Geiselnahme in einer Bank beendet und vier Ganoven ins Kittchen bringt. Man sollte meinen, der Wunderjunge wäre beliebt. Doch Hancock ist nicht Captain America. Die Leute hassen ihn. Die Medien hassen ihn. Schon Kinder hassen ihn. - Der Mann hat ein echtes Imageproblem.

Der Start ist launig

Soweit der launige Start zu Peter Bergs "Hancock", Superhelden-Parodie aus Hollywood, mit Will Smith in der Titelrolle. Die Intro "rockt": Verfolgung auf dem Highway. Der fliegende Besuffski rammt Verkehrsschilder, kriegt so neben noch die Kurve. Wir hören R'n'B-Soul, HipHop oder Reggae: Dr. Alimantados "Best Dressed Chicken In Town" konterkariert Hancocks derangiertes Aussehen.

Als Hancock dem PR-Berater Ray (Jason Bateman) aus der Patsche hilft, gewinnt er einen echten Fan. Ray ist vom Fach und verpasst Hancock einen Imagewechsel. Von jetzt ab "Mr. Nice Guy": Artig tritt Hancock (der 600 Vorladungen ignoriert hat) eine Haftstrafe wegen Beschädigung öffentlichen Eigentums an.

Büßer im Stuhlkreis

Er mimt den Büßer und findet sich im Stuhlkreis, wo schwere Jungs von ihren Gefühlen erzählen. Frisch rasiert und im tuntigen Kampfdress darf Hancock endlich im Beifall baden. - Mit Wohlwollen einigermaßen witzig.

Nun ist das Jux-Pulver verschossen und es bahnt sich eine gnadenlose Schnulze an. Rays Ehefrau, gespielt von Charlize Theron, hat ein Geheimnis, von dem Hancock und die Welt nichts wissen. Im verbalen Schnelldurchlauf installiert der Film einen Heldenmythos aus grauer Vorzeit. Ein bereits amputierter Erzgegner (Eddie Marsan) will sich an Hancock rächen. Und treibt die Story in ein Finale, das auf Schmalztube und Tränendrüse drückt.

Damit geht die Bewertung in den Keller. Ein Allerlei: Action-Klamauk-Herzschmerz-Popcornfilm. Rein, raus, danke und vergessen.