„Alphapussy“ Carolin Kebekus hat richtig Bock

Zeltfestival Ruhr

Carolin Kebekus lässt von Beginn an keine Zweifel aufkommen. „Bochum, ich muss euch warnen: Ich hab richtig Bock!“ Nach drei Monaten Bühnenpause spürt man, wie sehr sich die Kölnerin am Mittwochabend auf ihren Auftritt beim Zeltfestival Ruhr freut, als sie ankündigt: „Es könnte schlimm werden!“ Sie soll Recht behalten.

BOCHUM

, 01.09.2016, 11:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Alphapussy“ Carolin Kebekus hat richtig Bock

"Alphapussy" Carolin Kebekus hat nach drei Monaten Bühnenabstinenz richtig Bock auf die Bühne beim Zeltfestival Ruhr.

Es dauert keine fünf Minuten, bis das erste schockierte Raunen durch das ausverkaufte Sparkassen-Zelt geht. Nachdem sich Kebekus versichert hat, dass auch einige Kölner für den Auftritt nach Bochum gekommen sind, freut sie sich über die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Rheinland. „Dürfen die in euren Turnhallen schlafen? Oder fassen die eure Frauen an?“

Der ein oder andere irritierte Blick im Publikum, vielleicht ahnt manch einer in diesem Moment, was die Ankündigung „Es könnte schlimm werden“ bedeuten könnte – die selbsternannte „Alphapussy“ hat keine Lust, Rücksicht auf Befindlichkeiten zu nehmen. „Guckt mal auf euer Ticket, wo ihr hier seid!“

Derbe Sprüche und klare Botschaften

Recht hat sie – direkt, derb und liebend gerne unter der Gürtellinie. Das erwartet man bei Kebekus. Mit filigranem Umherschweifen gibt sich die 36-Jährige in ihrem Programm "Alphapussy" gar nicht erst ab – wobei hinter vielen den herben, gegrölten Sprüchen durchaus klare politische Botschaften stehen. In diesen Passagen ist die Kölnerin besonders stark. Vielleicht auch, weil sie dann über das hinausgeht, was man erwartet.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Carolin Kebekus beim Zeltfestival Ruhr

Mit filigranem Umherschweifen gibt sich Carolin Kebekus beim Zeltfestival Ruhr in ihrem Programm "Alphapussy" gar nicht erst ab – wobei hinter vielen den herben, gegrölten Sprüchen durchaus klare politische Botschaften stehen. Ein Abend, an dem die Comedienne die Grenzen des guten Geschmacks mehrfach deutlich überschreitet - und damit durchaus punkten kann.
31.08.2016
/
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
"Alphapussy" Carolin Kebekus sprengt beim Zeltfestival Ruhr reihenweise die Grenzen des guten Geschmacks, bezieht aber auch klar Stellung zu brisanten Themen.© Michael Printz
Schlagworte Bochum

Mit vor Ironie tropfender Stimme nimmt sie sich Thomas de Mazière vor: Der Innenminister hatte auf die Frage nach einer Bedrohung nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November 2015 die Antwort gegeben, er könnte die Frage nicht beantworten, denn "ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern". "Ich war ja kurz vor der Panik, aber dann war ich schlagartig beruhigt", so Kebekus. 

Pointierte Aussagen zu aktuellen Themen

Klar und pointiert kommentiert sie auch die Debatten nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. "Geil, wer danach munter unter die Frauenrechtler gegangen ist." Von den Hells Angels bis zu Pediga. "Wenn einer weiß, wie man mit Frauen umgeht, dann die Hells Angels."

Auch zur überfälligen Reform des Sexualstrafrechts, eine Folge der Vorfälle in Köln, hat Kebekus eine klare Meinung: "Nein heißt seit Juli Nein - selbst wenn es eine Frau sagt." Ihre Kritik zur rückständigen rechtlichen Regelung vor der Reform fällt deutlich aus: "Bis Juli war ein iPhone besser geschützt als der eigene Arsch!" 

Spielend leichter Übergang zum Trivialen

Wie spielend leicht der Comedienne der Übergang vom Politische zum Trivialen gelingt, kann sie wohl nur selbst erklären. Keine fünf Minuten nach dem Silvester-Thema lachen die Besucher im ausverkauften Sparkassen-Zelt laut über Kotz- und Party-Geschichten. Das Sinnieren über das Wegbier ("In meiner Heimat ist das Kultur"), Helene Fischer ("Ich habe Angst vor dieser Frau") und die Frage nach Bochums übelster Disco ("Zombiekeller? Wer da hingeht, hat es aber auch nicht anders verdient"), geht Kebekus locker von der Hand.

Dann wird es aber doch nochmal tiefgründiger: "Mein Gehirn ist total verkümmert", gibt Kebekus zu, und zeigt auf, wie sehr der Konsum von völlig sinnfreien Internet-Videos uns beeinflusst. "Ich bin abgestumpft. Nachrichten langweilen mich total." Schließlich gibt es nichts, was man nicht zuvor schon bei Youtube gesehen hat. Leichen, abgetrennte Körperteile, Blut oder "ein volles Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer - davor am besten noch Werbung: Ab in den Urlaub!"

"Es könnte schlimm werden" - diese Prophezeihung der Kölnerin bewahrheitet sich: Teilweise durchbricht sie die Grenzen des guten Geschmacks mit so viel Tempo, dass es schmerzt - die Lacher geben ihr trotzdem recht. Und teilweise will einem das Lachen im Halse stecken bleiben, weil Kebekus die Probleme und Schwächen der Gesellschaft so gut trifft. Das fühlt sich manchmal schlimm an - ist aber auch richtig gut! 

Schlagworte: