Alte Mieter drei Wochen in Wohnungen gefangen

Defekter Aufzug in Hochhaus

In einem achtstöckigen Hochhaus in Menglinghausen war fast drei Wochen der Aufzug kaputt. Körperlich behinderte und alte Bewohner waren in ihren Wohnungen gefangen. Eigentümerin Vonovia vertröstete die Mieter mit widersprüchlichen Erklärungen und reagierte erst spät.

MENGLINGHAUSEN

, 19.07.2017, 11:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das sind doch keine Zustände“, wettert Sajjad Fatahi. Der Bewohner des Hochhauses in der Straße „Am Sturmwald“ ärgert sich über die Vonovia. Seit dem 29. Juni war der Aufzug in dem Wohnhaus defekt. Daraufhin hat Fatahi nach eigener Aussage zahlreiche Versuche unternommen, Betreiberin Vonovia und die beauftragte Aufzugsfirma zur Reparatur zu bewegen.

Passiert ist fast drei Wochen dennoch nichts. Fatahi hat sich in der vergangenen Woche mit seinem Problem an unserer Redaktion gewandt. Während der Recherche kam am Freitag (14. 7.) Bewegung in die Sache.

"Die haben uns vorher angelogen"

Von der Vonovia habe er durchgehend widersprüchliche Antworten bekommen, sagt Fatahi. Zunächst habe er die Auskunft erhalten, ein fehlendes Ersatzteil sei bestellt, aber noch nicht angekommen. Von einer solchen Bestellung habe man bei der Reparaturfirma jedoch nichts gewusst, denn der Auftrag seitens Vonovia sei noch nicht genehmigt gewesen. „Das hat die Vonovia dann später auch zugegeben. Also haben die uns vorher angelogen“, schlussfolgert Fatahi.

„Am 7. Juli rief Vonovia an und versprach, dass das Ersatzteil nun per Express bestellt und der Aufzug bis zum 12. Juli repariert sei“, sagt Fatahi. Es passierte: nichts. Am Tag nach der verstrichenen Frist habe man ihm dann erneut mitgeteilt, der Auftrag sei noch nicht genehmigt.

Mutter konnte nicht mehr aus der Wohnung

Die Reparaturfirma verweigert inzwischen jede Auskunft und verweist auf den Auftraggeber. Auch gegenüber dieser Redaktion wollte sich die Geschäftsführung nicht äußern. Fatahi sagt: „Von der Vonovia hört man aber entweder gar nichts oder Sachen, die offensichtlich nicht stimmen. Diese Informationspolitik ist eine Frechheit.“

 

Dass er täglich die Treppe in den siebten Stock nehmen musste, ärgert ihn. Mehr noch aber habe er sich um diejenigen gesorgt, denen das nicht möglich war. „Es leben zwei körperlich behinderte Menschen im Haus. Auch meine Mutter konnte seit dem 29. Juni nicht mehr aus der Wohnung“, berichtet Fatahi. Und was im Falle eines ärztlichen Notfalls passiert wäre, wolle er sich lieber nicht ausmalen.

Vonovia: "Da ist in der Kommunikation etwas schiefgelaufen"

Erst als er öffentlich Druck machte, kam Bewegung auf. Fatahi minderte die Miete um 15 Prozent und informierte die anderen Hausbewohner über diese Möglichkeit. Selbst mit einer einstweiligen Verfügung drohte er. Am gestrigen Dienstag erfolgte dann die Reparatur. „Wir haben das Haus erst zum 1. Juli übernommen, die Reparatur war schon vom Vorbesitzer beauftragt worden“, erklärt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner. Zu dem Zeitpunkt habe noch ein Ersatzteil gefehlt, das Vonovia am vergangenen Freitag bestellt habe, so Benner. Also zwei Wochen später.

Von den Problemen der gehbehinderten Anwohner habe man erst durch die Anfrage am Montag erfahren, heißt es von der Pressesprecherin. „Die hätten sich bei uns melden können, dann hätten wir mit einem Trageservice geholfen. Wir haben eine Service-Nummer auf dem Aushang hinterlassen“, erklärte Benner. Der Aushang hing allerdings im Erdgeschoss. „Da ist in der Kommunikation etwas schiefgelaufen“, räumt dann auch Benner ein. Zumindest da dürften ihr die Bewohner zustimmen.

Schlagworte: