Am Pranger steht die Arroganz des Westens

Ruhrtriennale

Lebt in unserer Auffassung von Kultur, in Kunstgeschichte und -rezeption die Arroganz des Kolonialherren fort? Der so tut, als sei der Kulturkanon rein westlich und europäisch definiert, während er dem Kunstschaffen anderer Völker das Etikett des Primitiven anheftet.

ESSEN

, 17.09.2017, 13:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Pranger steht die Arroganz des Westens

Neo Muyanga singt Protestlieder aus Südafrika zu Klaiver und Gitarre.

Bei der Ruhrtriennale streitet eine dreitägige Veranstaltung für eine globale Kunstgeschichte, wider den „Kultur-Imperialismus“, wenn man so will. „Episoden des Südens“ heißt das Projekt, das unseren Horizont weiten will für den Blick auf die Künstler der Welt. Ein ambitioniertes Vorhaben, bei dem ein Konzeptteam von Pact Zollverein mit dem Goethe-Institut Sao Paulo, den Museen Folkwang, Lehmbruck und dem Ruhr Museum kooperiert.

Rede-Marathon

Womöglich zu ambitioniert: Der erste Abend am Freitag (in den Räumen von Pact) geriet zum Rede-Marathon, zu einem Talkformat mit kleinen Performances, blieb aber pauschal und wenig anschaulich in der Vermittlung von Wissen über die viel beschworene globale Kunstproduktion. Es gab Absichtserklärungen, aber kaum Konkretes zum Schaffen von Künstlern etwa aus Afrika.

Fünf Gäste, darunter US-Choreografin Ligia Lewis, Uni-Dozentin Kelly Gillespie, Musiker Neo Muyanga (beide aus Südafrika) bestreiten eine Art Rätsel-Show. Fünf Objekte liegen auf dem Tisch: Kultobjekt, zeremonielle Maske? Ein Werk von Beuys, mit den Buchstaben D und K für „Deutsche Kunst“? Es sind Gewichtsmaße aus dem Stahlwerk. Was sagt das über Afrika? Nichts.

Minimaler Erkenntnisgewinn

Zu Klavier und Gitarre singt Neo Muyanga Protestlieder aus Südafrika. Wie lauten die Texte? Wir erfahren es nicht. Kelly Gillespie erzählt vom Widerstand schwarzer Studenten an einer ehemals „weißen“ Uni in Kapstadt – das ist immerhin informativ. Ein Amateurvideo zeigt Teile einer Performance von Ligia Lewis: Der Körper der schwarzen Frau unter Belastung, Sklaverei getanzt.

Zeitaufwand: vier Stunden. Der Erkenntnisgewinn bleibt trotzdem minimal.

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