Ambulanten Ärzten fehlen Millionen von Schutzkleidungen

Coronavirus

In den ambulanten Arztpraxen mangelt es an Schutzausrüstung. Bundesweit fehlen alleine rund 115 Millionen einfache Mund-Nasen-Masken. Schon getätigte Lieferungen sind noch nicht ausreichend.

NRW

01.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schutzkleidung wie Atemschutzmasken und Einmalhandschuhe sind in Deutschland aktuell Mangelware.

Schutzkleidung wie Atemschutzmasken und Einmalhandschuhe sind in Deutschland aktuell Mangelware. © picture alliance/dpa

Atemschutzmasken, Einmal-Schutzkittel und -handschuhe – in vielen Praxen niedergelassener Ärzte sind diese Schutzausrüstungen gegen das Coronavirus derzeit Mangelware. Das zeigt auch eine aktuelle „Übersicht der Bedarfsmeldungen der Kassenärztlichen Vereinigung“, die der Recherche-Kooperation aus WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach würden bundesweit allein rund 115 Millionen einfache Mund-Nasen-Masken in den Arztpraxen fehlen.

Errechnet wurde der Bedarf an Schutzkleidung von dem AOK Bundesverband, der seine Ergebnisse am vergangenen Freitag an die Kassenärztliche Bundesvereinigung weiterleitete. Doch nicht nur an Mund-Nasen-Masken mangele es, sondern hinzu kämen noch:

  • knapp 47 Millionen FFP2-Masken – also Atemschutzmasken mit Filter,
  • rund 63 Millionen Einmal-Schutzkittel,
  • rund 3,7 Millionen Schutzbrillen,
  • mehr als 55 Millionen Packungen Einmalhandschuhe.

Diese Zahlen umfassen allerdings nur den Bedarf der niedergelassenen Ärzte. Die Mengen an Schutzkleidung, die in Krankenhäuser, Pflege- und Altenheimen sowie Pflegediensten benötigt werden, kommen noch hinzu.

Nordrhein-Westfalen hat hohen Bedarf an Schutzkleidung

Nach Berechnungen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) würden alleine in der Pflegebranche jeden Tag mehr als 530 000 OP-Masken, rund 70 000 FFP2-Masken, mehr als 520 000 Schutzkittel, rund 50 000 Schutzbrillen und knapp 2,5 Millionen Einmal-Handschuhe verbraucht werden.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen, wo sich bislang mehr als 14 400 Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, melden niedergelassene Ärzte einen hohen Bedarf an Schutzkleidung, wie die Recherche-Kooperation herausfand. Die bisherigen Lieferungen durch das Bundesgesundheitsministerium würden nicht ausreichen, um das Rheinland für längere Zeit flächendeckend auszustatten, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein dem WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung.

KV Berlin: Lieferungen noch „viel zu gering“

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) der jeweiligen Bundesländer sind zuständig für die Verteilung der Schutzkleidung an die niedergelassenen Ärzte. Doch der Mangel an Schutzausrüstung versetzt die Vereinigungen in Alarmbereitschaft.

In einem offenen Brief wandte sich die KV Berlin an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Regierenden Bürgermeister Michael Müller. „Jeden Tag behandeln wir, ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte mit unseren engagierten Teams, ungeschützt Patienten, die zunehmend auch infiziert sind oder es sein können“, beklagt die KV. „Es gibt so gut wie keine sterilen und auch keine unsterilen Handschuhe, Gesichtsmasken, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel, obwohl diese im medizinischen Bereich dringend gebraucht werden.“

Die bisher eingetroffenen Lieferungen beschreibt die KV Berlin als „viel zu gering“. Sie fordert Spahn und Müller auf, ein Maßnahmenpaket zu beschließen, um den entstehenden Schaden im Gesundheitssystem abzuwenden.

Schutzmasken nur für Praxen mit bestätigten Corona-Fällen

Anfang März hatte der Krisenstab der Bundesregierung mitgeteilt, dass das Bundesgesundheitsministerium Schutzausrüstungen zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser sowie für Behörden beschaffen wolle. Zwei Wochen später verkündete das Ministerium, dass nun rund 10 Millionen Atemschutzmasken vorhanden seien, die unverzüglich verteilt werden würden.

Doch die Mengen reichen bei weitem nicht aus. Um dem Versorgungsengpass entgegenzuwirken, hat beispielsweise die KV Niedersachsen festgelegt, dass Schutzkleidung nur von niedergelassenen Ärzten bestellt werden kann, die laborbestätigte Corona-Patienten betreuen. Eine Arztpraxis, die noch keinen Corona-Fall hatte, bekommt ergo keine Schutzausrüstung gestellt.

Kann man Atemschutzmasken wiederverwenden?

Inzwischen hat auch das Robert-Koch-Institut (RKI) mögliche Maßnahmen für Ärzte herausgegeben, wie sie die Mund-Nasen-Masken und FFP-Masken während einer Schicht wiederverwenden können. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Innenfläche der Masken nicht mit Erregern kontaminiert sein darf – zum Beispiel durch eine falsche Handhabung. Dann müssen die Schutzmasken in jedem Fall entsorgt werden – ebenso wie nach der Schicht.

Für die Wiederverwendung während einer Schicht gilt: Nach dem Absetzen der Atemschutzmaske muss diese trocken an der Luft aufbewahrt und bis zum nächsten Einsatz zwischengelagert werden. Die Maske muss dabei eindeutig einer Person zuzuordnen sein, so dass kein anderer diese verwendet. Außerdem sollte darauf verzichtet werden, die Masken zu desinfizieren, weil dadurch deren Funktionsfähigkeit beeinträchtigt wird.

Das RKI weist zudem darauf hin, dass der Ort, wo die Masken zwischengelagert werden, nach der Entnahme der Atemschutzmasken desinfiziert werden muss. Außerdem müssen sich die Träger vor und nach dem Aufsetzen der Masken die Hände desinfizieren.

RND

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt