Amri war regelmäßig in Dortmunder Moscheen

Möglicher Kontaktmann festgenommen

Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri hatte in Dortmund offenbar ein großes Netzwerk. Laut Medienberichten war Amri regelmäßig in mehreren Dortmunder Moscheen zu Gast. Derweil wurde ein mutmaßlicher Kontaktmann Amris in Berlin festgenommen.

Dortmund/Düsseldorf

28.12.2016, 10:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das vom Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung gestellte undatierte Bild zeigt den Tatverdächtigen Anis Amri. Foto: Polizei/BKA

Das vom Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung gestellte undatierte Bild zeigt den Tatverdächtigen Anis Amri. Foto: Polizei/BKA

Nach Recherchen des WDR besuchte der in Mailand erschossene Anis Amri während seiner Zeit in NRW ein Dutzend Moscheen in Dortmund. Zu einer Moschee in der Lindenhorster Straße soll er einen Schlüssel besessen haben. Dort soll er übernachtet haben. Zudem sei er auch als Vorbeter tätig gewesen. Das soll aus Unterlagen der Sicherheitsbehörden hervorgehen. Seit Ende 2015 sei Amri regelmäßig zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet gependelt. 

Vorsitzende von drei der zwölf Dortmunder Moscheen bestreiten allerdings, etwas mit dem mutmaßlichen Attentäter zu tun gehabt zu haben. Ahmad Aweimer vom Rat der muslimischen Gemeinden in Dortmund sagte dem WDR, die betroffenen Moscheen hätten nun Angst, zur Zielscheibe von Hassattacken zu werden. Es gebe bereits Gedanken über ein neues Sicherheitskonzept.

Möglicher Kontaktmann Amris festgenommen

Derweil hat die Bundesanwaltschaft einen möglichen Kontaktmann von Amri vorläufig festnehmen lassen. Die Telefonnummer des 40-jährigen Tunesiers befand sich auf dem sichergestellten Handy Amris, wie die Karlsruher Behörde am Mittwoch mitteilte.

„Die weiteren Ermittlungen deuten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Bis zum Donnerstag werde nun geprüft, ob Haftbefehl gegen den 40-Jährigen beantragt werde. Einem Sprecher der Bundesanwaltschaft zufolge wurde der Mann in Berlin festgenommen. 

Netzwerk in Dortmund

Amri soll verantwortlich sein für den Anschlag mit zwölf Toten auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Am 23. Dezember war er auf der Flucht bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen worden. Nach dem Anschlag hatte die Polizei unter anderem eine Flüchtlingsunterkunft in Emmerich durchsucht, einen weiteren Einsatz gab es in Dortmund, wo Amri Kontakt mit dem inzwischen festgenommenen mutmaßlichen Salafisten Boban S. gehabt haben soll.

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Der Tunesier war nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) 2015 nach Deutschland eingereist, er hatte nach seinem Aufenthalt in NRW seit Februar 2016 überwiegend in Berlin gelebt. Die Opposition im NRW-Landtag wirft den Behörden schwere Fehler bei der Überwachung des als Gefährder eingestuften Tunesiers in Nordrhein-Westfalen vor.

von dpa