Andris Nelsons gratulierte Richard Strauss

Konzerthaus Dortmund

Über die Lehre vom Übermenschen spricht der Zarathustra von Nietzsche. In der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" kann man diese Rede in neun Teilen nachhören. Andris Nelsons hatte das Werk, dessen Paukensolo jeder seit Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" kennt, am Dienstag im Konzerthaus Dortmund ans Ende seines Geburtstags-Festkonzerts für Richard Strauss gestellt.

DORTMUND

, 11.06.2014, 16:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Andris Nelsons dirigierte das  Concertgebouw Orkest in der Philharmonie Essen.

Andris Nelsons dirigierte das Concertgebouw Orkest in der Philharmonie Essen.

Am Schluss feierte das Publikum nicht nur den Übermenschen Strauss, sondern auch den am Pult des WDR-Sinfonieorchesters Köln.

Schon die Sinfonische Fantasie "Die Frau ohne Schatten" zu Beginn war ein Ereignis. Mit fließenden Bewegungen stellte der 35-jährige Lette wogende Klänge in den Saal und kleidete die Märchenoper in einen Hollywood-Breitwand-Sound, in dessen opulentem Klang am Schluss sogar fast die Orgel ertrank. Trotzdem hatte diese fulminante Interpretation viel Feinsinniges.

Kluger Klangregisseur

Als klugen Klangregisseur erlebte man den Letten auch im "Zarathustra". Das klang durchdacht und konzentriert und trotzdem vital. Da zeigte Nelsons dem Konzertmeister, dass er genau jetzt der Oboe zuhören soll, da bohrte er mit der geballten Faust in der Luft in die Klangmassen und ließ die letzte Reihe der Kontrabässe aus der hintersten Bühnenecke ganz alleine spielen.

Von der Kirchenglocke bis zur Orgel bietet Strauss in einer Hundertschaft alles auf, was klingt. Bei Nelsons klang es geordnet und mitreißend.

Jugendwerk für die Geige Zwischen den beiden Großwerken stand ein zartes Jugendwerk des 17-jährigen Strauss, das so gut wie nie gespielt wird: das Violinkonzert, nicht sein bestes Werk, obwohl es melodische Wendungen wie einige späte Werke hat.

Und am Schluss sogar "Till Eulenspiegel"-Char- me. Baiba Skride spielte die drei Sätze anmutig, im Mittelsatz zarter als ein Schleier der Salome, aber die Spannung fehlt in diesem Konzert schon im musikalischen Material.

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