Anfassen erlaubt: Blinde Menschen ertasten Plastinate

Körperwelten-Ausstellung

Vorsichtig wandert seine Hand von den Fingerspitzen über den Handrücken zum Handgelenk. Klaus Hahn muss sich auf seinen Tastsinn verlassen, denn er ist blind. Am Dienstag hat er mit anderen sehbehinderten Menschen eine besondere Erfahrung gemacht. Er erlebte die Körperwelten-Ausstellung.

BOCHUM

26.11.2013, 18:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen (BSVW) weiß wie sich etwa ausgestopfte Tiere oder Knochen anfühlen, doch den menschlichen Körper konnte er auf diese Weise bislang noch nicht kennenlernen. „Es ist eine tolle Chance, das Original ertasten zu können. Und das Gefühl ist interessant, wie groß und wie schwer eine Leber im Gegensatz zum Beckenmuskel ist.“Der 62-Jährige weiß genau, wie er an die Plastinate treten muss, wie er sie am besten ertasten kann. „Man sucht sich einen Ausgangspunkt, bei dem man weiß, wovon er ausgeht“, so Hahn. Beim Turner fängt er an den Händen an, die einen Ring umfassen.

Klaus Hahn ist fasziniert von der Ausstellung. „Die Präparate haben ein ganz eigenes Gefühl. Das Zusammenspiel der einzelnen Elemente des Körpers ist hier zu erleben. Zum Beispiel wie viel Kraft von dem Oberschenkel bis zum vorderen Zeh geht, damit man diesen bewegen kann“, erzählt Hahn. Dass er hier die ausgestellten Objekte anfassen darf, ist ein Privileg. „In Münster musste ich bei einer Ausstellung mit Bronzefiguren sehr darum kämpfen, dass wir überhaupt etwas anfassen dürfen“, sagt Hahn.Neben den Ganzkörperplastinaten des Turners und dem Schlittschulaufenden Paar, ertasteten die sehbehinderten Menschen auch das Rentier und den Braunbär. Fünf angehende Mediziner erklärten ihnen, was sie spüren. Eine davon ist Kim Kaumanns. Die 20-jährige ist im dritten Semester. „Durch die Ausstellung mit blinden Menschen zu gehen, ist eine neue Erfahrung und Herausforderung. Für sie ist es auch faszinierender als für sehende Leute. Und sie stellen gezielter Fragen.“