Angeklagter aus Herne sah beim Einbrechen Geister

Prozess vor dem Bochumer Landgericht

Erpressung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Bedrohung - diesen Vorwürfen musste sich ein 46-jähriger Dachdecker aus Herne am Freitag vor dem Bochumer Landgericht stellen. Seine Erklärungen für die Taten verblüfften: Ominöse Hintermänner, Geister und kannibalistisch belegte Pizzen gehörten dazu.

BOCHUM

24.02.2017 / Lesedauer: 3 min
Angeklagter aus Herne sah beim Einbrechen Geister

Das Bochumer Landgericht. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Mit einem bizarren „Geister-Geständnis“ hat am Freitag vor dem Bochumer Landgericht ein Prozess gegen einen Dachdecker aus Herne begonnen. Angesprochen auf seinen Einbruch in eine leer stehende Villa gab der 46-Jährige mit weit aufgerissenen Augen zu: „Ob Sie mir glauben oder nicht: Aber da drinnen hat’s gespukt.“

Räuberische Erpressung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Bedrohung: Die Liste der Vorwürfe gegen den Angeklagten ist lang. Am 2. April 2015 war der 46-Jährige, der seit Jahren schwer alkoholabhängig und zeitweise obdachlos ist, in ein Haus in Herne-Wanne eingedrungen. „Ich wollte nur da schlafen, mich aufwärmen, einen Joint rauchen und ein Fläschchen Schnaps trinken“, so der Angeklagte. Doch dann habe er die schlimmste Nacht seines Lebens erlebt. Der 46-Jährige: „Plötzlich habe ich ganz leise Geisterstimmen gehört und die Türen haben angefangen zu klappern. Da drin war es echt am Spuken.“ Am Ende sei er regelrecht froh gewesen, dass die Polizei angerückt sei.

Freude über die Ankunft der Polizei 

Auch zu einem weiteren Anklagepunkt verblüffte der Angeklagte mit seinen Erklärungen. Ja, er habe eine Spielhalle in der Innenstadt von Herne überfallen, hieß es. Er selbst sei damals aber nur eine „Marionette“ eines ominösen Hintermanns gewesen. Vor Betreten des Casinos habe ihm der Typ befohlen: „Spiel für zwei Euro und dann überfall die ‚Alte’ am Tresen.“ Aus Angst habe er gehorcht und die Aufsicht mit einer durch zwei Finger nachgeahmten Pistole in der Jacke bedroht. Auch in diesem Fall sei er am Ende erleichtert gewesen, als die Polizei angerückt sei. „Als die Polizisten kamen, war ich sogar froh. Da war ich wenigstens den Typen da draußen los.“

Pizza mit Menschenfleisch 

An Merkwürdigkeiten hatte es damit aber noch lange nicht genug. Der Angeklagte berichtete den Richtern der 10. Strafkammer ungefragt, dass er ziemlich sicher schon mal eine Pizza mit Menschenfleisch gegessen habe ("Danach hatte ich einen ganz komischen Geschmack im Mund“).

Mit Blick auf eine Bedrohungs-Anklage, weil er mit einer Softair-Pistole auf eine Passantin simulierte Schüsse abgefeuert haben soll, war sich der 46-Jährige keiner Schuld bewusst. „Ich bin halt Waffenfanatiker und Soldat und habe nur mit der Waffe gespielt.“

Für die Einschätzung der Schuldfrage haben die Richter auch einen Psychiater einschaltet. Urteil: voraussichtlich am 23. März.