Angeklagter hat sich vor Tat mit drei Prostituierten vergnügt

rnProzess nach Totem im Saunaklub

Im Mordprozess gegen einen 43-Jährigen schilderten jetzt Mitarbeiter des Saunaclubs die Geschehnisse in der Tatnacht. Ein 64-jähriger Niederländer war beim Brand in dem Club ums Leben gekommen.

von Stefan Pingel

Hamminkeln

, 27.02.2020, 14:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Mordprozess um den tödlichen Brand im Saunaklub Gallardo sagte am Dienstag die Ehefrau des Angeklagten aus. Der Richter fragt immer wieder nach dessen Alkoholkonsum.

„Er hat keine Grenzen“, stellte sie vor Gericht fest. Auch drei Mitarbeiter schildern die Ereignisse der Brandnacht. Die hielten den Beschuldigten damals nicht für übermäßig betrunken.

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Emotional wurde es am Dienstag vor dem Landgericht Duisburg, als im Prozess um den tödlichen Brand im Saunaklub Gallardo die Ehefrau des Angeklagten aussagte. Am Ende der Vernehmung brachen bei der Frau alle Dämme und sie weinte hemmungslos.

Frau des Angeklagten: Er ist ein guter Ehemann

Und auch vorher schon hatte sie gesagt: „Er ist sonst der beste Ehemann und der beste Papa. Ich möchte, dass er nach Hause kommt.“ Sie und ihre beiden Kinder hätten seither schon genug mitgemacht.

Immer wieder kam der Vorsitzende Richter auf den Alkoholkonsum ihres Mannes zu sprechen; nicht nur an dem besagten Wochenende des 13. und 14. Juli, als er den Brand im Saunaklub gelegt haben soll, bei dem ein holländischer Gast starb. Er habe viel getrunken, ihrer Meinung nach zu viel, vor allem Whisky und Wodka.

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„Er hat keine Grenzen“, stellte sie vor Gericht fest. Manchmal sei es vorgekommen, dass sie dann von Partys alleine nach Hause gekommen sei. Sie sei davon genervt gewesen. Sie habe ihm auch schon mit der Trennung gedroht.

Eine Marotte habe er bei besonders starkem Alkoholkonsum: „Er zieht sich dann gerne aus.“ Er habe dann auch schon mal im Wohnzimmer der Nachbarn getanzt.

Erinnerungslücken vor Gericht

Direkt nach dem Brand hatte die Polizei sie bei der Arbeit abgeholt und für eine Durchsuchung nach Hause gebracht. Dabei soll sie laut Polizei gesagt haben, dass ihr Mann an dem Abend betrunken gewesen sei, aber nicht viel.

Vor Gericht konnte sich die Frau nicht mehr daran erinnern. Sie habe ja ihren Mann abends gar nicht gesprochen, so spät sei er nach Hause gekommen, sagte sie.

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Allerdings sei er nachts wohl erst ins Zimmer ihrer Tochter gegangen, die ihm dann gesagt habe: „Papa, du bist im falschen Zimmer.“ Sie selbst habe erst am nächsten Tag erfahren, dass er mit seinen Kollegen im Bordell gewesen sei.

Deswegen sei es zum Streit gekommen. Aber er habe gesagt, er könne sich nicht daran erinnern.

Trinkverhalten war immer wieder Thema vor Gericht

Auch der psychologische Gutachter fragte die Ehefrau nach dem Trinkverhalten des Angeklagten. Wie es sich äußern würde, wenn er viel getrunken habe und ob sie Beispiele nennen könne.

Konkrete Aussagen machte die Frau nicht, blickte aber immer wieder zu ihrem Mann auf der Anklagebank und seinen beiden Verteidigern. Darauf reagierte der Richter ungehalten. „Soll er das jetzt abnicken, oder worauf warten Sie?“, fragte er, als die Antwort ausblieb.

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Eine Frage des Staatsanwalts stoppte er dann aber. Der wollte von der Ehefrau wissen, ob sie Sex gehabt hätten, wenn ihr Mann betrunken war. Die Verteidigung intervenierte sofort, und auch dem Richter war die Frage zu unspezifisch. Der Staatsanwalt zog sie schließlich zurück.

Auch bei den Aussagen des Betriebsleiters und zweier Angestellten drehte es sich oft darum, wie betrunken der Angeklagte an dem Abend war. Die Aussagen schwankten: Die Empfangsdame sagte, der Beschuldigte sei auf jeden Fall stark alkoholisiert gewesen und habe undeutlich gesprochen; die Bardame berichtete, der Angeklagte habe zwar schon viel getrunken, konnte aber normal sprechen. Auch der Betriebsleiter erklärte, dass der Angeklagte normal sprechen konnte.

In der Brandnacht mit drei Prostituierten vergnügt

Und der Betriebsleiter musste sich auch länger mit ihm auseinandersetzen, weil der Beschuldigte seine Nacht mit den drei Prostituierten nicht bezahlten wollte. Er sei aufgebracht gewesen, habe nur ein Mädchen bezahlen wollen. Erst als ein „Kollege“ vom Junggesellenabschied dazu stieß und ihm sagte, er müsse alle drei Mädchen bezahlen, sei er dem nachgekommen.

Er habe den Mann auch schon öfter im Saunaklub gesehen, sagte der Betriebsleiter noch aus. Er sei schon einige Male dort gewesen. Damit widersprach er der Aussage des Angeklagten, der am ersten Verhandlungstag noch gesagt hatte, noch nie im Gallardo gewesen zu sein.

64-jähriger Niederländer starb in Zimmer 20

Die Mitarbeiter schilderten auch noch einmal die Ereignisse der Brandnacht und die Evakuierung der Gäste. Erst später anhand der Eingangsliste sei aufgefallen, dass ein Stammgast, der 64-jährige Niederländer, fehlte.

Ihn fand die Feuerwehr später leblos in Zimmer 20 des Etablissements. Der Gast war zusammen mit einer Prostituierten auf dem Zimmer, die derzeit nicht befragt werden kann. Sie liegt selbst im Krankenhaus.

Gericht prüft Videodateien

  • Der nächste Verhandlungstag könnte ausfallen. Das Gericht hat noch eine Festplatte mit rund 8500 Videodateien, die derzeit überspielt wird.
  • Außerdem wolle man eine Vorauswahl der wichtigsten Videoaufnahmen treffen.
  • Damit aber Verteidigung und Staatsanwaltschaft erst einmal auf den gleichen Stand kommen, könnte der nächsten Termin verlegt werden, so der Vorsitzende Richter.
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