Angela Winkler ermordet Weihnachtsmänner

RECKLINGHAUSEN Peter Lohmeyer als Gangster Bill hat mit heiserer Stimme gerade verkündet, dass das Ganze „happy-endlich“ endet. Da erschießt Angela Winkler als Bandenchefin den ersten Weihnachtsmann, später erledigt sie ein weiteres Exemplar im Kamin. Merke: Wen sie um Feuer bittet, hat nicht mehr lange zu leben.

von Von Britta Helmbold

, 23.05.2008, 17:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Bandenchefin (Angela Winter) findet nicht nur ihren Gatten (Niels Hansen) wieder, sondern auch ihr echtes Bein.

Die Bandenchefin (Angela Winter) findet nicht nur ihren Gatten (Niels Hansen) wieder, sondern auch ihr echtes Bein.

Klamaukig und mit einfach strukturierten Gags ging die Premiere von „Happy End“ am Donnerstag über die große Bühne bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Kurzweilig ist die Koproduktion mit dem St. Pauli Theater (Hamburg) und La Boite à Rêves / Compagnie Jérôme Savary allerdings nicht.

Denn die Regisseure Jérôme Savary und Ulrich Waller machen aus dem Stück von Elisabeth Hauptmann mit Songtexten von Bertolt Brecht und Kompositionen von Kurt Weill eine Schmierenkomödie mit überzeichneten Figuren. Nach dem Erfolg der „Dreigroschenoper“ lieferte das Team Brecht/Weill sozusagen einen zweiten Aufguss, der allerdings schon 1929 nicht von Erfolg gekrönt war.

Verliebt in Gangster Bill

Diesmal verliebt sich Gangster Bill im weihnachtlichen Chicago in das Heilsarmee-Mädchen Lilian, die Bandenchefin findet ihren Mann wieder und alle Verbrecher treten bekehrt der Heilsarmee bei. Dabei wird auf der detailverliebten Bühne viel gesungen, ein Mini-Orchester liefert aus dem Graben die Musik. Am Ende verkündet Gangsterchefin Angela Winkler dann den berühmten Satz: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie, was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank!“

Ohne diese wunderbare Schauspielerin wäre die zweieinhalbstündige Aufführung ohne Glanzlicht gewesen. Angela Winkler strahlt eine Bühnenpräsenz aus, die alle anderen in den Schatten stellt. Als Boss gibt sie sich resolut und rotzig, hat ein sagenhaft dreckiges Lachen und wenn sie singt, mag man zuhören, wird von ihrem (Augen-)Lächeln verzaubert. Der Kontrast zur Konkurrentin Lilian (Anneke Schwabe) fällt umso größer aus, wenn beide nacheinander den gleichen Song trällern.

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