"Angst" zeigt bedrohlichen Mix aus Konzert und Lesung

Ruhrfestspielhaus

Das ist Kino im Kopf. Nur im Kopf. Hitchcocks "Vögel" kennen wohl die Meisten. Ein Meisterwerk. Wenn allerdings Schauspieler Matthias Brandt und Musiker Jens Thomas das als Textcollage musikalisch-literarisch auf die Bühne der Ruhrfestspiele bringen, entsteht etwas Neues und sehr Beeindruckendes im ausverkauften Festspielhaus. Titel: "Angst".

RECKLINGHAUSEN

von von Jan Mühldorfer

, 08.05.2017, 11:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein starkes Team: Matthias Brandt (l.) und Jens Thomas

Ein starkes Team: Matthias Brandt (l.) und Jens Thomas

Das Grauen braucht hier keine Bilder. Wenn Brandt den "Vögel"-Stoff du Mauriers mit Versatzstücken aus dem Werk Edgar Allan Poes wie "Der Rabe" und "Eleonora" fusionieren lässt, ist das schon Kunst.

Thomas schafft mit Stimme und Songs eine dichte Atmonphäre

Wenn Jazzer Jens Thomas die im Kopf entstehenden Bilder durch Songs sowie mit Stimme artikulierte und am Flügel gezupfte Geräusche zum Leben erweckt, verstärkt, intensiviert, gelingt den beiden eine extreme atmosphärische Dichte.

"We are the birds" - schon der erste Song kündigt das Grauen an. Brandt und Thomas agieren dabei wie ein jahrelang eingespieltes Team. Zwischen der Musik, den Songs und den Worten war jedes Heulen, Flattern, Jammern, Ächzen, Schreien, Wimmern auf den Punkt gebracht.

Brandt erweckt Geschichte mit Silben und Gesten zum Leben

Es wird durchaus improvisiert. Aber auch das sitzt perfekt. Im Dunkel des nicht existenten Bühnenbildes lenkt nichts ab. Musik, Geräusche und das Vorgelesene erschaffen einen soghaften Erzähl-Kosmos.

Brandts große Qualitäten als Schauspieler sind nicht zu übersehen und überhören. Er braucht nur ein paar Silben, ein paar Gesten, um die Geschichte von Robert in seinem von Vögeln attackierten Haus zum Leben zu erwecken, die Zuschauer im Strudel der Ereignisse mitzureißen.

Publikum schwankt zwischen Atempause und Bedrohung

Das ist wortwörtlich großes Kino. Songs von "We are the birds" bis zum finalen "Blackbird" der Beatles sind mal Atempause für das Publikum, mal drohende Ankündigung.

Der Genre-Mix aus Konzert, musikalischer Lesung oder auch Hörbuch packte die Zuhörer anderthalb Stunden - und wurde vom begeisterten Publikum mit Ovationen belohnt. Dafür gab es als Zugabe "Keep it down boy", eine Komposition von Jens Thomas aus seiner CD "Speed of Grace" - wieder mal im Duett mit Matthias Brandt. Ohne Vögel.

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