Anklage gegen die Tempel-Bomber von Essen

Anschlag auf Sikh-Gebetshaus

Nach dem Bombenanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus Mitte April in Essen mit drei Verletzten hat die Staatsanwaltschaft drei Jugendliche angeklagt. Sie wirft den 16 und 17 Jahren alten Tatverdächtigen versuchte Tötung, gefährliche Körperverletzung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.

ESSEN

19.07.2016, 15:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die drei Angeklagten sollen im April in einen Sikh-Tempel in Essen eine Bombe gezündet haben.

Die drei Angeklagten sollen im April in einen Sikh-Tempel in Essen eine Bombe gezündet haben.

Sie seien zu einer Jugendkammer am Landgericht Essen angeklagt, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens am Dienstag.

Die Kammer prüfe nun, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen werde, sagte ein Sprecher des Landgerichts. „Erst dann werden Termine gemacht.“ Wenn es zu einer Verhandlung komme, sei diese wegen des Alters der Angeklagten in jedem Fall nicht öffentlich.

Angeklagte aus Essen, Gelsenkirchen und Schermbeck

Die Angeklagten Mohammed B. aus Essen und Yusuf T. aus Gelsenkirchen (beide 16 Jahre alt) sowie der 17-jährige Tolga I. aus Schermbeck wurden wenige Tage nach dem Anschlag auf den Tempel verhaftet.

Noch zwei weitere Jugendliche sitzen im Zusammenhang mit dem Anschlag in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen sie dauern an. Die fünf waren Mitglied einer WhatsApp-Gruppe mit etwa einem Dutzend Teilnehmern. Über die Gruppe wurde auch die Tat geplant. Außerdem tauschten die Mitglieder auf diesem Wege Informationen und Propaganda zum radikalen Salafismus aus.

Organisiert über WhatsApp-Gruppe

"Die WhatsApp-Gruppe diente vorrangig der Absprache von Treffen und von konspirativem Verhalten sowie dem Austausch von Informationen und Propaganda zum radikalen Salafismus", heißt es in einem Bericht von NRW-Innenministers Ralf Jäger (SPD) an den Landtags-Innenausschuss von Ende Juni. Auch seien Diskussionen über Waffen geführt worden. Die Gruppe habe sich "Ansaar Al Khalifat Al Islamiyya" (Deutsch: "Unterstützer/Anhänger des Islamischen Kalifats") genannt. Die Mitglieder hätten im Chat nicht unter ihren Echtnamen kommuniziert, sondern unter Decknamen.

Bei dem Anschlag am 16. April explodierte im Eingangsbereich des Gebetshauses nach einer indischen Hochzeit eine Bombe. Drei Menschen wurden dabei verletzt, einer von ihnen schwer. 

von dpa

 

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