"Anlieger frei" - aber wer ist eigentlich Anlieger?

Ärger um Feldweg

Seit Jahren gibt es Diskussionen um einen schmalen Feldweg zwischen Menglinghausen und Großholthausen. Nur Anlieger dürfen ihn benutzen - und Sevda Mohr dachte zwölf Jahre lang, sie sei Anliegerin. Oft wurde sie kontrolliert, nie gab es ein Problem. Jetzt musste sie aber bei einer Polizeikontrolle bezahlen.

MENGLINGHAUSEN

, 28.01.2016, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Anlieger frei" - aber wer ist eigentlich Anlieger?

Sevda und Frank Mohr fahren seit zwölf Jahren regelmäßig durch die Anliegerstraße Hegemanns Heide, um einen Freund zu besuchen. Deshalb wurden sie auch schon oft von der Polizei kontrolliert, mussten jetzt aber zum ersten Mal zahlen.

Die kürzeste Verbindung vom Haus der Familie Mohr zu ihrem Bekannten an der Großholthauser Straße führt über Hegemanns Heide. Diesen Weg dürfen laut Straßenschild nur Anlieger benutzen. "Seit zwölf Jahren wohnen wir in der Nähe. Seitdem nehmen wir diesen Weg. Dutzende Male sind wir angehalten worden, bisher gab es aber nie ein Problem", sagt Sevda Mohrs Mann Frank.

Das Paar habe den Polizeibeamten immer erklärt, dass es zum Eierkauf zu einem befreundeten Bauernhof an der Großholthauser Straße will. Das hätten die Beamten als Anliegen akzeptiert. Mitte Januar musste Sevda Mohr aber Verwarngeld zahlen. Zwei Polizeiwagen hätten an der schmalen Straße kontrolliert. "Ich habe der Beamtin erklärt, dass ich unseren Freund besuche. Sie hat mir aber gar nicht zugehört", erzählt sie.

Die unterschiedlichen Routen:

Rot: der kürzeste, aber jetzt verbotene Weg

Grün: der erlaubte Weg

Gelb: von der Polizei empfohlen.

 

Polizeisprecherin Cornelia Weigandt stellt auf Anfrage fest: Anlieger sei nur, wessen Fahrtziel direkt an der betreffenden Straße liegt. Sevda Mohrs Bekannter hat seinen Hof aber nicht in dieser verbotenen Straße, sondern etwa 500 Meter dahinter. 

Wirklich kurios sei der Vorfall geworden, als Mohr auf dem Hof des Bekannten ankam: Der nächste Kunde habe ihr berichtet, dass er auch kontrolliert wurde. Er erzählte den Beamten dasselbe wie Sevda Mohr – und sei ohne Zahlung durchgelassen worden. Das Ehepaar Mohr hält das für Willkür.

Reaktionen aus der Nachbarschaft

Unterstützung erhält das Paar von Alfred Slawinski, der nicht weit entfernt am Seerosenweg wohnt. Vor allem im Sommer sei die Parksituation dort, wegen Besuchern der Villa Froschloch und des Naturbads, nicht zu ertragen. Das Naturbad liegt an der Löttringhauser Straße, somit habe kein Besucher ein Recht darauf, in den Straßen Froschloch und Seerosenweg zu parken. Das Durchfahrtsverbot an der Straße Froschloch werde ihm zufolge täglich etwa 150-mal missachtet. Hier solle die Polizei lieber kontrollieren als an der anderen abgelegenen Strecke.

Die Kontrollen an Hegemanns Heide und Terwestenstraße verteidigt dagegen Jürgen Brunsing vom Fachverband Fußverkehr. Weil diese Straße sehr schmal ist, würden die zahlreichen Spaziergänger und Radfahrer regelmäßig durch zu schnell fahrende Autos gefährdet. Brunsing selbst habe bereits beiseite springen müssen: "Insofern war ich erstaunt und erfreut, dass die Polizei tatsächlich die Autofahrer überprüft", schreibt er. 

Bereits in den 90er-Jahren hätten Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksvertretung auf diese Gefahrenlage hingewiesen und hier eine Straßensperrung gefordert, berichtet Brunsing. Doch sie fanden bei den großen Fraktionen weder dafür eine Mehrheit, noch wurde der alternative Vorschlag eines parallelen Gehwegs unterstützt.