Ann-Kathrin Gumpert: "Corpus Delicti: Ein Prozess"

Buchtipp der Redaktion

Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Ann-Kathrin Gumpert liest besonders gern "Corpus Delicti: Ein Prozess".

DORTMUND

, 21.10.2016, 15:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ann-Kathrin Gumpert: "Corpus Delicti: Ein Prozess"

Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

Mia Holl wird der Prozess gemacht. Wir schreiben das Jahr 2057, die Methode hat die Regierung des Landes übernommen. Totale Überwachung der Bürger in einer Gesellschaft, in der alle bisherigen Werte durch die Sorge um die Unversehrtheit des Körpers verdrängt werden. Mia Holl gilt als Terroristin, als eine, die das totalitäre System bekämpft, sich nicht an die Regeln der Regierung hält. Sie reicht ihre regelmäßigen Berichte über ihre Ernährung, sportliche Aktivitäten und ihren Gesundheitszustand nicht ein. Sie raucht. Sie trinkt. Verboten! Denn Gesundheit ist die höchste Bürgerpflicht, soziales Miteinander findet keine Bedeutung mehr. Doch eigentlich versucht die 30-Jährige nur, den Tod ihres Bruders zu verarbeiten. Auch er galt als Gegner des Systems, auch ihm wurde der Prozess gemacht, wurde vom Staat in den Selbstmord getrieben.

Juli Zeh beschreibt ein Science-Fiction-Szenario, das realistischer nicht sein könnte. Sie prangert den Überwachungsstaat an, aber auch den Gesundheitswahn unserer Zeit. Realistisch auch die Szenarien im Gerichtssaal. Zeh, 1974 in Bonn geboren, ist auch Juristin, kennt sich aus mit Gerichtsprozessen. Realistisch wird das Ganze nicht auch zuletzt durch das politische Engagement der Autorin, das sie immer wieder in ihre Romane einfließen lässt.

Corpus Delicti wurde 2007 als Theaterstück bei der Ruhrtriennale uraufgeführt, zwei Jahre später erschien der gleichnamige Roman.

Informationen zum Buch
Juli Zeh: Corpus Delicti: Ein Prozess, btb Verlag, 9,99 Euro, 272 Seiten, ISBN 9783442740666