Anna Keersmaker zeigt flüchtige Berührungen zu Rilkes Sprachmusik

Ruhrtriennale

"Reiten, reiten, reiten, durch den Tag, durch die Nacht." Ein Offizier zieht gegen die Türken, findet einen Kameraden, eine Geliebte und fällt in der Schlacht. Mit "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" gelang Rainer Maria Rilke auf kaum 20 Seiten ein Werk, das Liebe, Krieg und Tod poetisch, melancholisch, träumerisch überhöht.

DUISBURG

, 25.09.2015, 14:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Anna Keersmaker zeigt flüchtige Berührungen zu Rilkes Sprachmusik

Mit Anne Teresa De Keersmaeker: „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ endet die Ruhrtriennale.Foto: Anne Van Aerschot

In einer musikalischen Sprache, die die Tänzerin und Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker zu einer Performance anregte, die am Donnerstag bei der Ruhrtriennale in der Gebläsehalle des Duisburger Landschaftsparks zu sehen war. De Keersmaeker und Michael Pomero sind die Akteure, die Rilkes Musikalität in Bewegung umsetzen.

An sklavischer Illustrierung scheint Keersmaker nicht interessiert. Das wird klar, wo sie den Moment der Schlacht bei minimaler Körpersprache bloß rezitiert, nicht aber in sichtbaren Ausdruck umsetzt. Sie fokussiert auf die Begegnung von Mann und Frau, die Rilke am Ende thematisiert.

Kreisende Bewegungen

Die Akteure umkreisen sich in geschmeidiger Körperlichkeit, bauen in der Begegnung zarte Spannung auf, lösen sich voneinander. Es gibt kein Verschmelzen, die Berührung bleibt flüchtig. Nur kurz sind die Tänzer synchron, dann gehen sie getrennt, wobei die ausgestreckte Rechte vage eine Richtung vorgibt, aber kein bestimmtes Ziel.

Ein karges, sprödes Stück ohne jede Requisite, getanzt auf staubigem, nacktem Boden, der in Schleifen und Schlieren die Spuren der Tänzer nachzeichnet. Mal ist das Saallicht an, mal sehen wir rotes Licht, das für Morgenrot, Feuer und Blut der Schlacht steht.

Karg und spröde

Extrem sparsam die Musik, die expressive Querflöte von Chryssi Dimitriou, die lautmalerisch das Säuseln des Windes und schrille Alarmpfiffe hören lässt. Eine Performance, so reduziert, dass sie uns ein wenig ratlos zurücklässt. Applaus, aber nicht überschwänglich. Kai-Uwe Brinkmann

Termine: 26.9., Karten: Tel. (0221) 280210.

Lesen Sie jetzt