"Annamateur und Außensaiter" - musikalisch und kabarettistisch eine Sensation

In der WerkStadt

WITTEN Musikalische Brillanz mit ironischer Brechung - "Annamateur und Außensaiter" kultivieren, Therapie inbegriffen, am Freitagabend in der WerkStadt gekonnt ihr Talent für die besondere Kleinkunst.

von Von Michael Volmer

, 07.03.2010, 15:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Leidenschaftliche Musiker: Anna-Maria Scholz alias "Annamateur" und Cellist Stephan Braun.

Leidenschaftliche Musiker: Anna-Maria Scholz alias "Annamateur" und Cellist Stephan Braun.

Anna-Maria Scholz alias "Annamateur" mimt die Anti-Diva. Mit abschätziger Mimik nimmt die üppige Sängerin die Bühne ein. Sie trägt schrille, weite Klamotten, ihre krausen Haare stehen unbändig ab. Musikalisch wird sie umrahmt von Stephan Braun (Cello) und Daniel Wirtz (Gitarre), ihren "Außensaitern", die ihrem Namen alle Ehre machen. Sie sind außerordentlich gut an den Saiten, darüber hinaus agieren sie wortkarg und abwesend. Vor allem musikalisch, aber auch kabarettistisch ist das Trio eine Sensation.

Mit Opern-Timbre intoniert "Annamateur" den Song ,,Memories" aus dem Musical ,,Cats". Die Konzertgitarre spielt ein sanftes Picking, das Cello wartet mit tiefen Bässen auf. Das Stück ist ein absoluter Ohrenschmaus. Dann der Bruch: das Tempo schwankt, die studierte Jazzsängerin neigt den Kopf immer wieder vom Mikrofon weg, singt daran vorbei. Die Persiflage gelingt und erntet reichlich Lacher.Spontane Slapstick-Einlagen

Gemäß dem Programmtitel "Bandaufstellung nach B. Hellinger" strebt "Annamateur" dann die Harmonisierung auf der Bühne an. Die Therapie im Sinne Bert Hellingers: das Trio spielt flach auf dem Boden liegend weiter. Das Publikum ist begeistert, "Annamateur" noch immer unzufrieden. Die Bühne ist vorbelastet: "Da hat sich mal einer geschämt!" Die negative Aura, nach dem Motto Minus mal Minus ergibt Plus, gehört ausgemerzt. Kurzerhand wird ein Zuschauer zur Scham erkoren. Zusammen mit den passiven "Außensaitern" formt er eine komische Figur, die die Bühne rehabilitieren soll. Die spontanen Slapstick-Einlagen gefallen, lassen jedoch die grandiosen musikalischen Beiträge etwas zu kurz kommen. Die vielen eigenen Lieder und Cover-Songs von Michael Jackson und anderen bleiben meist fragmentarisch.