Anne Lepper gewinnt Dramatikerpreis

Stücke

Anne Lepper hat für ihr Stück "Mädchen in Not" den mit 15000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Die zum zweiten Mal zum Dramatikerwettbewerb Stücke eingeladene Autorin beschreibt den Emanzipationsversuch einer jungen Frau in einer skurrilen wie patriarchalen Welt zwischen Comic und Märchen. 

MÜLHEIM

05.06.2017, 12:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Konstantin Küspert gewinnt mit seinem Stück „europa verteidigen“ den Publikumspreis.

Konstantin Küspert gewinnt mit seinem Stück „europa verteidigen“ den Publikumspreis.

Während die Jury die sieben nominierten Stücke am späten Samstagabend zunächst äußerst kontrovers diskutierte, verdichtete sich die Diskussion um die Texte von Elfriede Jelinek und Anne Lepper. Am Ende der zweistündigen Debatte stimmten vier der fünf Jurymitglieder für "Mädchen in Not" der aus Essen stammenden Dramatikerin.

Jury-Begründung

Die Jury beschrieb  "Mädchen in Not" als gleichermaßen komische wie abgründige Dystopie und würdigte die Vielschichtigkeit und Formstärke des Textes, der der reduzierten Struktur eines Märchens folge und dabei große Assoziationsräume und unzählige Möglichkeiten der Umsetzung eröffne. Überraschend und geheimnisvoll beeindrucke das Stück durch zahlreiche intertextuelle Verweise - etwa auf Ibsens "Nora" oder Kafkas "Schloss" - wie auch durch die Komplexität der Figuren. Heldin Baby reproduziert die gesellschaftlichen Muster, gegen die sie aufbegehren will, und wird schließlich zur Mörderin.

Den undotierten Publikumspreis erhält Mülheim-Debütant Konstantin Küspert für "europa verteidigen", das am ETA Hoffmann Theater Bamberg uraufgeführt wurde und als letztes Stück des Wettbewerbs im Theater an der Ruhr am Freitag und Samstag zu sehen war.

Küsperts Europa-Geschichte ist eine Geschichte von Migration und Gewalt und dazu verschränkt der Dramatiker gleich drei Erzählstränge. Zeitgenossen kommen in Monologen zu Wort, es gibt einen Schnelldurchlauf durch die Historie - Römer, Wikinger, Kreuzzüge, Zweiter Weltkrieg - und den Mythos Europa, die gelangweilte phönizische Prinzessin hatte auf den falschen Stier gesetzt und wurde vergewaltigt.

Amüsant inszeniert

Comedymäßig lässt Regisseurin Cilli Drexel ihre fünf spielfreudigen Schauspieler mit Requisiten aus Pappe agieren, die Mimen wechseln im schnellen Tempo Rollen und Kostüme. Ein amüsant inszeniertes Plädoyer für die Europa-Idee.

Die Preisverleihung für Anne Lepper und Konstantin Küspert sowie für Tina Müller, die für ihr Stück "Dickhäuter" den mit 10000 Euro dotierten Mülheimer Kinderstücke-Preis gewann, ist für den 18. Juni geplant.

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